„Weniger reden, mehr machen!“

ClarissaKork ist eine echte Vorarlberger Erfolgs­geschichte. Vor wenigen Tagen feierte das 2018 gegründete Start-up den Spatenstich für die neue Produktionsstätte in Krumbach. WANN & WO sprach mit Gründerin ­Clarissa Steurer über tägliche Stolpersteine, ihre Liebe für den Bregenzerwald und wie wichtig es ist, durchzuhalten.

WANN & WO: Kürzlich habt ihr den Spatenstich zum neuen Gebäude in Krumbach gefeiert. Geht euch am aktuellen Standort der Platz aus?

Clarissa Steurer: Ja, es ist mittlerweile wirklich eng hier. Im Moment stolpern wir ja fast über die Produkte drüber. Wir möchten auch unseren Mitarbeitern den Arbeitsplatz bieten, den sie verdient haben. Beim aktuellen Gebäude handelt es sich um ein Einfamilienhaus, das eigentlich nicht für eine Produktionsstelle ausgelegt ist. Für unsere Kunden ändert sich aber nichts, der Laden bleibt hier. Wir möchten einfach noch ein bisschen weiter wachsen und es wird für uns künftig angenehmer, zu arbeiten.

WANN & WO: War es schon immer dein Ziel, dich selbstständig zu machen?

Clarissa Steurer: Auf jeden Fall. Ich komme aus einer Unternehmer­familie. Als Kind kannte ich auch nichts anderes. Ich hatte immer schon ein paar Ideen, schlussend­lich hat aber immer der letzte Funke gefehlt, dass ich mir gedacht habe, das wird was. Das wusste ich bei ClarissaKork natürlich auch nicht, diese Garantie hat man ja nicht. Aber es hat funktioniert.

WANN & WO: Richtige Fuck-ups, wie man heute ja so schön sagt, sind dir also bislang erspart geblieben?

Clarissa Steurer: Naja, ich habe schon viele Fuck-ups hinter mir (lacht). Ich stolpere des Öfteren einmal. Aber das ist ganz normal. Das gehört dazu, wenn man ein Start-up gründet. Und nur, weil ich jetzt einigermaßen Erfolg habe, bedeutet das nicht, dass ich durchmarschiert bin. Überhaupt nicht.

WANN & WO: Du wolltest ursprünglich Modedesignerin werden. Warum wurde daraus nichts?

Clarissa Steurer: Mit Modedesign kommt man im Ländle nicht sehr weit, da muss man schon soweit sein, zu sagen: Okay, irgendwann lebe ich dann mal in London oder New York. Ich habe mich dann anstelle von Design ins Produktmanagement vertieft und in verschiedenen internationalen Firmen gearbeitet. Beruflich bin ich dadurch viel herumgekommen, etwa China, Litauen oder Bulgarien. Ich hatte meine Homebase aber immer im Ländle. Ich habe es als Kind schon sehr geschätzt, wie schön wir hier leben und war immer schon sehr dankbar dafür. Natürlich gibt es auch Dinge, die mich in Vorarlberg nerven, etwa wie engstirnig und kleinbürgerlich manche Leute hier sind. Aber was die Landschaft und die Lebensqualität angeht, ist das Ländle schon etwas ganz Besonderes. Und das inspiriert mich auch in meiner Arbeit.

WANN & WO: Welchen Tipp hast du für junge Menschen, die selbst ein Unternehmen gründen wollen?

Clarissa Steurer: Mehr machen, weniger reden. Und durchhalten. Denn man muss sich bewusst sein sein, dass man auch durch harte Zeiten gehen und dabei oft hinfallen wird. Nicht nur einmal habe ich mir die Frage gestellt: Warum mache ich das, warum tue ich mir das nur an? Bringt man aber das nötige Durchhaltevermögen mit, kommt man auch wieder auf die Beine und es geht weiter.

WANN & WO: Abschließend: Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Clarissa Steurer: Anfang September, also bereits in wenigen Tagen, launchen wir eine neue Produkt­palette mit Stillkissen, einer Bettschlange für Kinder, einer neuen Laptophülle und vielem mehr. Ab Mitte Oktober wird es zudem eine eigene Pflege­serie für Korkprodukte geben. Und über unsere Kooperation mit Casa Möbel in Hohenems wird es bald ein ClarissaKork-Casa-Bett geben. Es steht also viel auf dem Programm. Langweilig wird uns nie (lacht).

«Ich habe schon viele Fuck-ups hinter mir. (...) Aber das ist ganz normal. Das gehört dazu, wenn man ein Start-up gründet. Und nur, weil ich jetzt ­einigermaßen Erfolg habe, bedeutet das nicht, dass ich ­durch­marschiert bin. Überhaupt nicht.» Clarissa Steurer über die Herausforderungen als Jungunternehmerin

Kurz gefragt

Wo hältst du dich am liebsten auf?

Im Wald – also nicht nur im Bregenzer­wald, sondern allgemein in einem Wald.

Was isst du am liebsten, was geht gar nicht?

Ich mag alles, außer Milchreis.

Dein Filmtipp?

Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott.

Was hörst du privat am liebsten?

Philipp Poisel.

Vervollständige den folgenden Satz: der Bregenzerwald ist für mich ...?

... Heimat.

Fotos: Stiplovsek