„Ich tue das, was ich liebe“

Im Talk spricht Elite-Snowboarder Christian „Gigi“ Rüf über freudige Erregung vor dem ­Saisonstart, das zehnjährige Jubiläum seiner Snowboard-Firma „Slash“, ­Verletzungen und Nervosität auf dem Berg – und warum 40.000 Bienen für ihn die perfekten Haustiere sind.

WANN & WO: Gigi, wenn dieses ­Interview erscheint, bist du beim Gletscher-Opening in ­Hintertux. Wie sehr freust du dich schon auf die kommende Saison?

Gigi Rüf: Der Herbst ist bei mir immer mit Vorfreude verbunden. Und da es bereits geschneit hat, bin ich schon wieder ein ­bisschen erregt (lacht). Früher war ich beim Gletscher-Opening noch aktiv dabei. Nun bin ich aber vor Ort, um meine neuen Boards für die kommende Saison zu präsentieren. Es ist ein Testwochenende. Es gibt dabei immer einen tollen Austausch und man bekommt gutes Feedback.

WANN & WO: Deine Marke „Slash“ feiert heuer zehnjähriges Jubiläum. Bist du zufrieden, wie’s läuft?

Gigi Rüf: Bislang ist es wirklich super gelaufen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, tue das, was ich liebe und konnte mich selbst verwirklichen. Erfolg und ­Leidenschaft sind bei mir untrennbar miteinander verbunden. Nun gilt es, den Erfolg des Unternehmens fortzuführen und dafür die nächsten Schritte zu setzen. Dazu gehört nun auch, Kindern und Jugendlichen das Snowboarden zu vermitteln. Und natürlich sind zehn Jahre „Slash“ ein Grund zu feiern. Ich habe aus diesem Anlass auch meine ersten Boards als Jubiläumsausgabe neu aufgelegt.

WANN & WO: Du zählst zur ­weltweiten Snowboard-Elite, warst im Laufe deiner Karriere schon auf über 30 Magazin-Covers zu sehen. Wie bist du damals aber überhaupt zum Snowboarden gekommen?

Gigi Rüf: Ich bin in den Bergen aufgewachsen und kam dadurch schon früh mit Wintersport in Kontakt. Anfang der 1990er kam das Snowboarden bei uns auf und ein paar coole Socken fetzten schon auf den Boards herum. Das wollte ich dann unbedingt auch ausprobieren. Auch meine älteren Geschwister haben einen Teil dazu beigetragen. Und so bin ich von den Skiern zum Snowboard gekommen. Dem Skifahren habe ich dann auch nicht mehr nachgetrauert (lacht). Skifahren war für die breite Masse, Snowboarden damals aber noch was Außergewöhnliches. Für mich war es zudem eine Möglichkeit, anders zu sein, auch rebellisch. Ich hatte eine Zeit lang violette Haare. Beim Anstehen am Lift waren die älteren Skifahrer dann schon auch mal geschockt, wenn ich meine Mütze ausgezogen habe (lacht).

WANN & WO: Snowboarden ist kein ungefährlicher Sport, schon gar nicht auf dem Level, auf dem du es betreibst. Wie sieht’s mit Verletzungen aus?

Gigi Rüf: Ich habe mir im vergangenen Februar die Speiche gebrochen. Da wurden erst kürzlich die Metallplatten entfernt. Glücklicherweise verheilt der Arm aber gut. Die moderne Medizin macht’s möglich. Natürlich habe ich mir zuvor schon Verletzungen zugezogen. Ich muss aber auf Holz klopfen. Ich bin eigentlich „allat“ von Schlimmerem verschont geblieben.

WANN & WO: Du stürzt dich mit ­deinem Board die steilsten Hänge der Welt hinunter, immer mit dem Ziel, die perfekte und spektakulärste Line zu fahren. Bist du nach all den Jahren noch nervös, wenn du an der Kante stehst? Wie sieht es hier in Sachen Mindset aus?

Gigi Rüf: Man muss es halt wirklich wollen (lacht). Commitment ist das Um und Auf. Ich lasse mir aber auch gerne Zeit. Nervös werde ich eigentlich nur, wenn beispielsweise das Wetter drängt. Dann gehe ich zu Basics zurück. Wenn sich aber die Möglichkeit ergibt, Grenzen zu verschieben, dann bin ich im Mindset so fokussiert, dass die Line im Kopf schon fertig ist. Für Außenstehende schaut es vielleicht hitzköpfig aus, was man da macht, aber es gibt Techniken, um Schlimmeres zu vermeiden. Und Risiken gehe ich nur dort ein, wo es mir auch erlaubt ist, Fehler zu machen. Man muss die Situation ja nur einmal falsch einschätzen und es kann übel ausgehen, Stichwort Lawinengefahr etwa. Irgendwie ist es ja auch eine Überlebensstrategie – auch wenn natürlich schon immer ein gewisser Reiz dabei ist, wenn man sich darauf einlässt.

WANN & WO: Abschließend zu einem ganz anderen Thema: Als Snowboarder kennt man dich weltweit. Was aber weniger bekannt sein dürfte: Du bist auch als Hobby-Imker aktiv. Wie geht’s den Bienen?

Gigi Rüf: (lacht) Den Bienen geht’s bestens. Ich mache das nun schon seit einigen Jahren. Bienen brauchen nur im Sommer Aufmerksamkeit – daher sind sie die perfekten Tiere für mich. So kann ich im Winter meinen eigenen Dingen nachgehen. Vergangenes Jahr war der Sommer sehr verregnet, da gab es leider keinen Honig für uns. Heuer waren unsere 40.000 Bienen in den fünf Stöcken aber sehr fleißig und wir durften uns über 60 Gläser voller „Familie Rüf Honig“ für den Tee im Winter freuen. Für mich ist es ein super Ausgleich. Es macht nicht allzu viel Arbeit und es gibt auch immer mehr Junge, die in dieses schöne Hobby einsteigen. Ich schätze auch das Vereinsleben und den Austausch mit den anderen Imkern sehr. Danke Bienen!

«Risiken gehe ich nur dort ein, wo es mir auch erlaubt ist, Fehler zu machen. Man muss die Situation ja nur einmal falsch einschätzen und es kann übel ausgehen.» Gigi Rüf über Risikomanagement am Berg.

«Der Herbst ist bei mir immer mit ­Vorfreude verbunden. Und da es bereits geschneit hat, bin ich schon wieder ein bisschen erregt (lacht).» Gigi Rüf freut sich auf den bevorstehenden Saisonstart.

«Für mich war das Snowboarden auch eine ­Möglichkeit, anders zu sein, auch rebellisch. Ich hatte eine Zeit lang violette Haare. Beim Anstehen am Lift waren die älteren Skifahrer dann schon auch mal geschockt, wenn ich meine Mütze ausgezogen habe.» Gigi Rüf über seine Anfangszeit als Snowboarder im Ländle.