„Los, trau dich!“

Gerade einmal 26 Jahre alt und schon sein eigener Chef: Markus Peter aus Schwarzenberg lebt den Traum vom Freelancer, der überall auf der Welt arbeitet. WANN & WO erzählte er, was man braucht, um es ihm nachzumachen – und was TikTok damit zu tun hat.

WANN & WO: Den Job, den du machst, hätte es so vor nur zehn Jahren noch nicht gegeben. Wie würdest du deiner Oma erklären, was du machst?

Markus Peter: Das ist eine gute Frage. (lacht) Ich sage dann immer: Oma, du kennst doch Insta, Facebook und so weiter. Dort schalte ich praktisch Werbung für Firmen, damit sie ihre Produkte und Dienstleistungen online bewerben können statt nur im Print wie früher. Das ist mein Kerngebiet. Ich mache aber auch mit anderen Freelancern zusammen Webseiten für Firmen. Soweit ist es dann ganz verständlich für die Oma. Als drittes mache ich auch Comedy-Content auf TikTok. Das ist dann aber schon schwieriger, der Oma zu erklären. (lacht)

WANN & WO: Wie bist du dazu gekommen?

Markus Peter: Ich war an der HTL Dornbirn im Bereich Wirtschafts-ingenieurwesen und war dort schon konfrontiert mit dem Thema Computer. Ich habe dabei aber auch recht schnell gemerkt, dass Programmieren nicht so mein Ding ist. Mich fesseln weniger die Sachen, die im Hintergrund ablaufen, sondern was man mit ihnen machen kann, sprich Webseiten, Social Media, Reichweiten, Videos … Damals, etwa 2016, wusste ich auch noch gar nicht, dass es den Beruf, den ich heute ausübe, als solchen gibt. Ich bin dann auf eine Agentur gestoßen und habe dort angefangen, in dem Job zu arbeiten. Nach drei Jahren habe ich gemerkt, dass ich etwas anderes machen möchte. Anfangs wollte ich nur den Job wechseln und habe noch gar nicht an Selbständigkeit gedacht. Aber es kamen so viele Menschen auf mich zu, die meine Dienstleistung in Anspruch nehmen wollten, dass ich dachte: Selbständig könnte ich tun, was ich mag und kann und dabei reisen und von überall auf der Welt arbeiten. Wieso also nicht?

WANN & WO: Und damit war die Selbständigkeit besiegelt?

Markus Peter: Genau. Ich habe dann am Gründerprogramm vom AMS teilgenommen und habe meine eigene Firma angemeldet – genau zwei Tage vor dem ersten Lockdown. (lacht)

WANN & WO: Oje, das war dann wohl eine Absage an die Reise-pläne?

Markus Peter: Das leider schon, ja. Aber andererseits waren diese zwei Jahre auf diese Weise perfekt, um mein Geschäft aufzubauen. Besonders hat es die Türen für meine Arbeitsweise geöffnet: Ich arbeite ortsunabhängig. Viele meiner Kunden kommen aus dem Bregenzerwald, da waren Videocalls & Co. noch weitestgehend völliges Neuland. Corona hat den Weg dafür geebnet.

WANN & WO: Und das Reisen holst du jetzt nach: Wo steckst du gerade?

Markus Peter: Ende September 2021 habe ich mir gesagt: Jetzt hat sich die Corona-Lage beruhigt, nun hole ich alles auf. Ich hatte so viel geplant gehabt, was durch die Pandemie nicht möglich war, das wollte ich nicht völlig verfallen lassen. Und so habe ich mich auf den Weg gemacht. Aktuell bin ich in Porto, seit einem Monat etwa. Das ist auch eines meiner Mottos: Ich möchte nicht für eine Arbeit das Leben, das ich mir vorstelle, hintenanstellen.

WANN & WO: Ist das für dich der große Vorteil am Selbständigsein?

Markus Peter: Absolut. Das und arbeiten zu können, wie ich möchte: Wenn ich einmal nur fünf Stunden arbeiten will, weil das Wetter gerade so schön ist, kann ich das tun. Dafür hole ich die fehlenden Stunden am Wochenende auf, wenn ich gerade einen Leerlauf habe.

WANN & WO: Das ist aber sicher nicht immer einfach. Man sagt nicht umsonst „selbst und ständig“?

Markus Peter: Das stimmt. Manchmal ist für eine Weile extrem viel los, da arbeite ich von Montag bis Sonntag. Da muss man selbst auf sich schauen. Im ersten Jahr habe ich mich sehr schwer getan, einmal Urlaub zu nehmen, weil ich stets dachte: Ich muss jederzeit arbeiten. Aber mittlerweile bin ich da reingewachsen und entspannter geworden.

WANN & WO: Viele träumen ja davon, selbständig und ihr eigener Chef zu sein. Was würdest du diesen Menschen raten?

Markus Peter: Was mir viel gebracht hat, war die Zeit als Angestellter bei der Agentur. Also einfach mal bei jemandem arbeiten und schauen, wie der Job wirklich aussieht. Denn ich denke von außen sieht alles oft schöner aus, als es wirklich ist. Außerdem sich selbst fragen: Traue ich mir das zu? Kann ich das? Wenn man diese Fragen ganz ehrlich mit Ja beantworten kann: Los, trau dich! Und in dem Zusammenhang muss ich auch noch einmal das Gründerprogramm vom AMS loben.

WANN & WO: Was ist in deinen Augen das Wichtigste, das man mitbringen muss, um selbständig er-folgreich zu sein?

Markus Peter: Ein gewisses Maß an Selbstvertrauen. Man darf sich nicht verstecken. Ich habe am Anfang allen Menschen, die ich kannte, von meiner Idee erzählt. Und ich habe es auch von Beginn an auf meinen Social Media-Kanälen verbreitet.

WANN & WO: Haben dir die Sozialen Netzwerke also geholfen?

Markus Peter: Tatsächlich! Ich habe Anrufe von Unternehmen bekommen, die meine Videos gesehen haben und wollten, dass ich ihren Online-Content produziere. Viele unterschätzen, was darüber möglich ist, auch in Sachen Kooperationen.

WANN & WO: „Influencer“ ist ja heute fast schon ein negatives Wort und die Personen werden oft belächelt. Was meinst du, wo geht es noch hin? Kommt nach TikTok noch mehr?

Markus Peter: Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass nach TikTok noch etwas Neues kommt – was auch noch? Aber ich glaube, dass die Menschen etwas zurückfahren, weil einfach alles zu viel wird. Das sieht man auch an BeReal zum Beispiel: Die App fordert Nutzer spontan auf, ein Foto von sich zu machen und zu posten. Dafür haben sie nur zwei Minuten Zeit, sie können also nicht besonders posieren und es gibt auch keine Filter. So etwas nutzt man mit Freunden, aber nicht mit der ganzen Welt wie etwa bei Insta oder TikTok. Von dieser perfektionierten Scheinwelt geht es, denke ich, wieder weg.

WANN & WO: Bleibt aber die Onlinewerbung auf Insta & Co. wichtig?

Markus Peter: Das hoffe ich natürlich. (lacht) Aber ich denke auch tatsächlich, dass Onlinewerbung wichtig bleibt. Wenn sie nicht sogar noch wichtiger wird.

<p>Markus’ Oma ist stolz auf ihren Enkel – auchwenn ihr die Onlinewelt und TikTok manchmalein Rätsel sind. Fotos: handout/Markus Peter</p>

Markus’ Oma ist stolz auf ihren Enkel – auch
wenn ihr die Onlinewelt und TikTok manchmal
ein Rätsel sind. Fotos: handout/Markus Peter

«Ich habe Anrufe vn Unternehmen bekommen, die meine TikTok-Videos gesehen haben und wollten, dass ich ihren Online-Content produziere. Viele unterschätzen, was darüber möglich ist.»

Markus Peter über die Chancen von Social Media.

«Das ist eines meiner Mottos: Ich möchte nicht für Arbeit das Leben, das ich mir vorstelle, hintenanstellen.»

Markus Peter

Kurz gefragt

Wie verbringst du gern
deine Freizeit? Am liebsten
komplett offline: ohne Handy im Wald zum Beispiel. Gerne auch mal alleine. Und mit Bewegung.


Welches Reiseziel steht nach Portugal an? Wahrscheinlich wird das nächste Ziel Madrid sein. Das steht aber noch nicht ganz fest, da ich recht spontan bin. Was ich übrigens vor der Selbständigkeit noch nicht war.

Was meinst du, machst du in fünf Jahren? Puh, schwierig – so weit plane ich gar nicht. Ich hoffe einfach, dass ich dann immer noch glücklich bin und mache, was ich gern tu.

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