„Es lohnt sich immer, etwas zu tun“

WANN & WO be­suchte Katharina Lins in ihrem Büro in der Inatura in Dornbirn. Die 55-Jährige ist bereits seit 1994 Mitglied von ­Amnesty International. Die Amnesty-Gruppe Vorarlberg besteht seit 1972 und ist damit eine der ältesten Österreichs.

WANN & WO be­suchte Katharina Lins in ihrem Büro in der Inatura in Dornbirn. Die 55-Jährige ist bereits seit 1994 Mitglied von ­Amnesty International. Die Amnesty-Gruppe Vorarlberg besteht seit 1972 und ist damit eine der ältesten Österreichs.

Anlässlich des ­gestrigen „Vorarlberger Tags der Menschenrechte“ sprach WANN & WO mit ­Katharina Lins von Amnesty ­International über ­eingeschränkte Grundrechte, die ­Vorarlberger Plattform für Menschenrechte sowie ­Zuversicht und Hoffnung.

WANN & WO: Frau Lins, man kennt Sie im Land vor allem als Naturschutz­anwältin, aber wohl weniger für ihre Arbeit bei ­Amnesty Inter­national. Wie sind Sie zu Amnesty ­gekommen?

Katharina Lins: Ich fand Amnesty International schon immer cool. In der Schule haben wir in Politischer Bildung – das war noch zu Zeiten des Kalten Krieges – Flugblätter gedruckt und eine Petition für die Gefangenen in der DDR gemacht. Das hat mir richtig „getaugt“. Ich musste mich sowieso schon immer aufregen, wenn etwas ungerecht ist (lacht). Nach meinem Studium bin ich dann einer Amnesty-Gruppe beigetreten, das war 1994. Seither bin ich dabei.

WANN & WO: Mit welchen Themen befasst sich Amnesty International Vorarlberg?

Katharina Lins: Wir bearbeiten vor allem weltweite Themen, verfassen dazu Briefe, organisieren Kampagnen oder auch Infostände. Im Iran wurden beispielsweise gerade einige Menschen zum Tode verurteilt, weil sie demonstriert haben. Unter dem Slogan „Right to Protest“ liegt darauf aktuell unser Schwerpunkt. Gewaltlose freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit sind Grundrechte, die immer und überall gelten sollten. Dennoch werden sie in vielen Teilen der Welt stark eingeschränkt. Und das nimmt leider auch in Europa zu: Dazu muss man nur einen Blick nach Ungarn oder Polen werfen. In Österreich sind wir zum Glück noch nicht so weit, dennoch muss man auch hier aufpassen und Übertretungen, wie etwa exzessive Polizeigewalt, aufzeigen und kritisieren. Damit klar ist: Der bestehende Standard muss gehalten werden. Denn das ist nicht automatisch garantiert.

WANN & WO: Amnesty International ist ein Gründungs­mitglied der „Vorarl­berger Plattform für ­Menschenrechte“. Womit beschäftigt sich diese?

Katharina Lins: Aktuell sind 46 Organisationen dabei, die sich im Ländle in jeglicher Form der Menschenrechte beschäftigen – darunter Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Asylinitiativen, Organisationen, die sich mit Gleichstellung auseinandersetzen etc. (Anm. d. Red.: Weitere Infos unter www.menschen-rechte-leben.at). Es ist aber nicht so, dass Amnesty in Vorarlberg mehr zu sagen hätte, als die anderen Organisationen – wir decken einfach sämtliche Menschenrechtsthemen ab. Andere sind vielleicht viel engagierter, haben aber nur ihren speziellen Bereich.

WANN & WO: Die Plattform organisiert jährlich am 10. Dezember den „Vorarlberger Tag der Menschenrechte“. Heuer lautete das Motto „Zuversicht“. Wie schaffen Sie es selbst, in diesen schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben?

Katharina Lins: Ulrich Schnabel, Wissenschaftsredakteur der ZEIT und unser Referent in diesem Jahr, hat sinngemäß geschrieben: Zuversicht heißt nicht, sich einfach optimistisch hinzusetzen und sich zu denken: Es wird eh alles gut. Sondern es bedeutet, dass es sich noch immer lohnt, etwas zu tun. Und auch wenn es noch so schlecht aussieht: Man kann die Dinge noch immer verändern. Das sehe ich genauso. Es hilft dabei sehr, in einer Gruppe aktiv zu sein. Während der Pandemie hat man gemerkt, dass vielen die Luft ausgegangen ist. In einer Gruppe kann man sich gegenseitig hochziehen und bestärken. Es ist okay, als AktivistIn auch mal kürzer zu treten – sofern man den Nerv behält, anschließend wieder weiter­zumachen. Darum sind auch Veranstaltungen wie der „Vorarlberger Tag der Menschenrechte“ für uns so wichtig. Man begegnet sich und kann sich austauschen und sieht, was die anderen so machen. Man trifft sich ja nicht jeden Tag.

WANN & WO: Von der Zuversicht zur Aussicht: Was erhoffen Sie sich für das neue Jahr?

Katharina Lins: Ich hoffe, dass zwischen Russland und der Ukraine wieder Frieden einkehrt, ohne ihn teuer erkaufen zu müssen. Und dass wir wieder zu einem vernünftigeren Diskurs zurückkommen. Da spielt auch die Politik eine Rolle, die ja oft meint, dass es ihr mehr nutzt, wenn sie das Geschrei anheizt, als dass sie versucht, sachlich zu argumentieren. Gerade, wenn es um Migration geht. Man kann sich natürlich auch überlegen, wie man sachlich mit einer Pandemie umgeht. Denn Corona wird nicht die letzte gewesen sein. Ich habe schon noch die Hoffnung, dass wir aus all dem noch irgendwie was lernen und weiterkommen. Auch wenn es momentan so ausschaut, als würden alle nur herumschreien (lacht).

<p class="title">Zur Person: Katharina Lins</p><p>Alter, Wohnort: 55, Mäder</p><p>Funktion: Naturschutzanwältin Vorarlberg</p><p>Ehrenamt: Klimabündnis Vorarlberg, Amnesty International Vorarlberg (vorarlberg.amnesty.at)Hobbys: Reisen, im Garten „ummahüsla“, lesen</p>

Zur Person: Katharina Lins

Alter, Wohnort: 55, Mäder

Funktion: Naturschutzanwältin Vorarlberg

Ehrenamt: Klimabündnis Vorarlberg, Amnesty International Vorarlberg
(vorarlberg.amnesty.at)
Hobbys:
Reisen, im Garten „ummahüsla“, lesen

<p class="title">Briefmarathon „Right to Protest“</p><p>Mit dem Briefmarathon 2022 setzt sich Amnesty International für Menschen ein, die verfolgt werden, weil sie ihr Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Die Aktion läuft noch bis kommenden Donnerstag, den 15. Dezember. Weitere Informationen via QR-Code.</p>

Briefmarathon „Right to Protest“

Mit dem Briefmarathon 2022 setzt sich Amnesty International für Menschen ein, die verfolgt werden, weil sie ihr Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Die Aktion läuft noch bis kommenden Donnerstag, den 15. Dezember. Weitere Informationen via QR-Code.

«Ich hoffe, dass wir wieder zu einem ­vernünftigeren Diskurs zurückkommen. Da spielt auch die Politik eine ­Rolle, die ja oft meint, dass es ihr mehr nutzt, wenn sie das Geschrei anheizt, als dass sie ­versucht, sachlich zu argumentieren.» Katharina Lins, Amnesty International Vorarlberg