„Bloß niemals zurücklehnen“

Ein Lebenswerk: Werner Battisti in der Skinfit-Zentrale in Koblach. Fotos: Sams

Ein Lebenswerk: Werner Battisti in der Skinfit-Zentrale in Koblach. Fotos: Sams

Drei Produkte, die Herstellung in der Garage, der Vertrieb im Wohnzimmer und das Lager auf dem Dachboden: Skinfit-Gründer Werner Battisti ist so etwas wie der Steve Jobs der Sportkleidung. Im W&W spricht er über den Erfolg der Marke, neue Märkte und die Sucht von Ausdauersportlern.

WANN & WO: 25 Jahre Skinfit –
hättest du damals erwartet, dass das Unternehmen einmal da steht, wo es heute steht?

Werner Battisti: Erwartet nicht, erhofft schon. Wenn man so ein Projekt startet, muss man Ziele haben. Aber zu krampfhaft etwas Bestimmtes erreichen wollen, ist auch das Falsche. In dem Sinne habe ich natürlich gehofft.

WANN & WO: Du hast mit nur drei Produkten und Herstellung, Vertrieb und Lager im eigenen Zuhause angefangen. Mittlerweile vertreibt Skinfit etwa 250 Artikel und betreibt eine große Unternehmens-zentrale in Koblach sowie viele eigene Shops in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Belgien. Wie war der Weg dorthin?

Werner Battisti: Organisch. Das Wachstum verlief „step by step“, was meiner Philosophie geschuldet ist. Ich wollte alles immer Stück für Stück aufbauen, auch damit auf diese Weise das Risiko überschaubar bleibt. Natürlich hätte ich mir auch – wie es heute in der Start-up-Szene üblich ist – ein Startkapital und einen Investor suchen können. So hätte ich gleich mehr investieren können, hätte aber eben auch mehr Risiko tragen müssen. Das war nicht mein Weg.

WANN & WO: Und entsprechend bilden diese ersten drei Artikel immer noch die Basis des Skinfit-Systems?

Werner Battisti: So ist es. Die ersten drei Produkte waren Base Layer. Die sind die wichtigste Komponente in einem ganzen Sport- und Outdooroutfit und müssen einfach funktionieren. Wenn der Base Layer nicht funktioniert, schützt einen auch die teuerste Jacke nicht vor Kälte und Wind.

WANN & WO: Hast du selbst noch ein Original von vor 25 Jahren?

Werner Battisti: Wir haben schon so etwas wie ein Archiv, in dem wir bestimmte Stücke aufbewahren. Leider haben wir nicht von Anfang an daran gedacht, Original-Produkte für die Zukunft aufzubewahren. (lacht) Aber das Witzige ist, dass ich ein Basis-Stück aus der aktuellen Kollektion hernehmen kann und es schaut genau so aus, wie die ersten Teile – ein Klassiker, an dem sich optisch nahezu nichts verändert hat.

WANN & WO: Ihr setzt auf Monobrand Shops, das heißt, ihr verkauft eure Produkte nur in euren eigenen Geschäften, aber nicht etwa an große Warenhäuser. Lässt man damit nicht Umsatz liegen – mehr Verkaufsstellen müssten ja mehr Verkäufe bedeuten?

Werner Battisti: Es hat alles Vor- und Nachteile. Mit dem Weg des organischen Wachstums, den ich damals gewählt habe, war ich nicht darauf angewiesen, überhaupt erst ein Warenhaus suchen zu müssen, dass meine Produkte verkauft – und welches Haus nimmt schon eine Linie in ihr Programm, die nur aus drei Teilen besteht? (lacht) Aber ich wusste aus meiner bisherigen Berufserfahrung – ich war bis zur Gründung schon bei einer anderen Sportartikelfirma angestellt –, dass es selbst für ein großes, renommiertes Unternehmen nachteilig sein kann, an Warenhäuser zu verkaufen. Einfach, weil du die Firmenphilosophie nur über einen Aufsteller oder ein Regal nie so transportieren kannst, wie über einen gesamten Shop.

WANN & WO: Wie lange hat es gedauert, bis du erstmals gedacht hast: „Wow – es funktioniert, es läuft ja richtig gut!“?

Werner Battisti: Im Herbst 1997 habe ich das Unternehmen gegründet und dann hat es gute zwei Jahre gedauert, bis ich gemerkt habe: Es funktioniert. Ab dem Zeitpunkt habe ich das ganze Vertriebssystem neu aufgegleist und skalierbar gemacht. Da ist auch das Franchise-System, das wir heute haben, entstanden. Und schließlich stand ich eben vor der Entscheidung: bei einem kleinen Team bleiben, das aber natürlich nur begrenzte Wachstumsmöglichkeiten hat, oder größer werden aber damit Team-Intimität einbüßen. Aber natürlich sind wir weltweit gesehen eine Nischenmarke und nicht vergleichbar mit Nike & Co.

WANN & WO: Gleichzeitig profitiert Skinfit ja aber von dieser Nische und Regionalität. Für viele Kund-Innen ist es ein ausschlaggebendes Argument, dass die Produkte „von hier“ kommen.

Werner Battisti: Ich glaube, wenn wir weltweit im Verhältnis so viel verkaufen würden, wie in Vorarlberg, dann hätte Nike keine Chance. (lacht) Aber selbst wenn wir diesen vermeintlich sicheren, regionalen Kundenstock haben, dürfen wir uns nie zurücklehnen. Unsere ersten KundInnen kamen zu uns, weil sie etwas Spezielles wollten, das nicht jeder hat. Dieser Effekt war freilich weg, als wir größer und von immer mehr Leuten getragen wurden. Da hätten sich diese ersten KundInnen abwenden können, aber das haben sie zum Glück nicht.

WANN & WO: Vor 25 Jahren wusste noch kaum jemand, was Funktions-kleidung bedeutet oder was ein Base Layer ist. Heute zieht man schon hochtechnologische Textilien an, wenn man nur kurz mit dem Hund Gassi geht. Hast du diese enorme Entwicklung damals schon erwartet?

Werner Battisti: Ja, das habe ich. Das war auch der Grund, weshalb ich mit dem Unternehmen, bei dem ich angestellt war, irgendwann in Konflikt stand: Ich habe darauf gedrängt, diese Entwicklung zu erkennen und zu nutzen. Das wurde aber nicht erkannt und deshalb habe ich beschlossen, das eben selbst zu machen. Und dann wurde dieser Trend zum Gesundheits-bewusstsein immer größer und hat uns geholfen.

WANN & WO: Die Fitness- und Outdoorwelle ist mit der Corona-Pandemie noch einmal enorm angestiegen. Habt ihr von den vergangenen zwei Jahren besonders profitieren können?

Werner Battisti: Ja, es ist unglaublich, was sich getan hat – zuletzt ganz besonders im Fahrrad- und im Skitourenbereich. Besonders auch unter jungen Leuten. Aber auch was neue Marken angeht: Da gibt es viele, die jetzt anfangen zu machen, was Skinfit damals schon gemacht hat.

WANN & WO: Und auch das Online-segment und der Social-Media-
Vertrieb ist stark gewachsen.

Werner Battisti: Wenn man heute „Sportbekleidung“ googelt, bekommt man so viele Treffer angezeigt, bei denen man sich auch fragt: Was ist das jetzt schon wieder für eine neue Marke? Das ist natürlich eine Herausforderung für uns, auch technologisch.

WANN & WO: Sport ist für dich nicht nur Berufsfeld, du bist auch selbst begeisterter Sportler. Triathlon und Bergsteigen waren deine Steckenpferde. Bist du noch aktiv?

Werner Battisti: Ich bin schon noch aktiv, altersbedingt aber vielleicht nicht mehr so schnell. (lacht) Aber tatsächlich war das ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg von Skinfit. Ich habe ja praktisch mein Hobby zum Beruf gemacht – und dann übt man den natürlich mit besonders viel Herzblut aus. Das trifft aber nicht nur auf mich zu: Wir haben auch beim Aufbau des Teams das Augenmerk auf diesen Punkt gelegt. Das waren am Anfang ja alles Sportkollegen von mir, die dann Mitarbeiter wurden. Und das spürt letztlich auch der Kunde.

WANN & WO: 25 Jahre Skinfit – was meinst du, wo wird das Unternehmen nach den nächsten 25 Jahren stehen?

Werner Battisti: Wir haben natürlich unsere Pläne für die Zukunft. Aktuell sind wir stark im DACH-Bereich, aber nicht darüber hinaus. Da wollen wir natürlich hin. Gerade haben wir in einen neuen Webshop investiert. Der ist die Basis für eine strategische Betriebsausrichtung in Richtung online. Wir wollen in neuen Märkten wachsen und da ist online natürlich der erste Schritt. Aber auch was das Produkt-Portfolio angeht, gibt es Ideen. Vorstellbar wären etwa Kooperationen mit Produktsegmenten, die für uns neu sind. Wir sind die Spezialisten für Sportbekleidung aber nicht etwa für Schuhe – da könnte man aber mit einer anderen Firma zusammenarbeiten und Produkte mit dem Know-how von anderen machen. In ein paar Jahren könnte Skinfit also durchaus mehr sein, als Base Layer, Hosen, Shirts, Jacken, Stirnbänder, Handschuhe und
Kappen.

<p class="title">Zur Person: Werner Battisti</p><p>Geburtstag, Alter: 22. März 1963, 59 JahreWohnort: DornbirnFamilienstand: verheiratet, zwei Kinder</p><p>Karriere: kaufmännische Ausbildung, erster Job als Bankangestellter, Weltreise-Auszeit,anschließend Angestellter im Textilbereich, mit 34 Jahren Gründung von Skinfit</p>

Zur Person: Werner Battisti

Geburtstag, Alter: 22. März 1963, 59 Jahre
Wohnort: Dornbirn
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Karriere: kaufmännische Ausbildung, erster Job als Bankangestellter, Weltreise-Auszeit,
anschließend Angestellter im Textilbereich, mit 34 Jahren Gründung von Skinfit

«Meine Sportleidenschaft war ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg von Skinfit. Ich habe ja praktisch mein Hobby zum Beruf gemacht – und dann übt man den natürlich mit besonders viel Herzblut aus. Das trifft nicht nur auf mich, sondern auch auf das Team zu.»

Skinfit-Gründer Werner Battisti

«Ich glaube, wenn wir weltweit im Verhältnis so viel verkaufen würden, wie in Vorarlberg, dann hätten Nike & Co. keine Chance. Aber auf diesem vermeintlich sicheren, regionalen Kundenstock dürfen wir uns nicht ausruhen.»

Skinfit-Gründer Werner Battisti

Kurz gefragt

Dein liebster Gipfel in Vorarlberg?
Als Dornbirner sage ich natürlich: der First.

Schwimmen, Radfahren, Laufen – was ist dein liebster Teil vom
Triathlon?
Radfahren. Das liegt mir am besten und macht mir auch am meisten Spaß.


Woher nimmst du deine Motivation, beruflich wie auch sportlich?
Meine Motivation ist einfach meine
Leidenschaft für den Sport. Als
Ausdauersportler entwickelt man aber auch eine gewisse Sucht, muss ich sagen. (lacht)

Hast du ein Lebensmotto?
Mach das, was du gern tust und gut kannst. Dann läuft es von allein.