„Kaiserschmarren mit Lindsey Vonn“

Business-Hotelier Ernst Seidl (Firmament) spricht im Talk über ­fehlende Zeit für zwischenmenschliche Kontakte, Traktor fahrende Manager, Parallelen zwischen ­Profisportlern und seinem Unternehmen sowie bleibende Erinnerungen an seine Zeit als Olympia-Caterer.

WANN & WO: Herr Seidl, mit Mario Nachbaur und Bärbel Schober haben Sie sich per
1. Jänner dieses Jahres Unterstützung in der Geschäftsführung geholt. Warum? Um selbst etwas kürzer treten zu können?

Ernst Seidl: Nein. Das ist zwar ein positiver Nebeneffekt, tatsächlich geht es aber um unsere Wachstumsstrategie. Ich bin ein kreativer Kopf und fühle mich in Menschenmengen sehr wohl. Ich tu nichts lieber, als auf Partys und Events zu gehen. Dieser zwischenmenschliche Kontakt ist in den vergangenen zwei Jahren viel zu kurz gekommen. Nicht nur aufgrund der Pandemie, sondern auch durch die Zeit, die ich in das operative Geschäft im Betrieb gesteckt habe. Ich bin bis zu 14 Stunden täglich im Büro gesessen und musste mich um organisatorische Dinge kümmern. Da ist die Kundenpflege auf der Strecke geblieben. Darauf kann ich mich nun aber wieder fokussieren.

WANN & WO: Neben der Kundenpflege haben Sie nun ja auch wieder mehr Zeit, sich kreativ zu entfalten, nehme ich an. Gibt es bereits Ideen, die Sie uns verraten können?

Ernst Seidl: Wir haben schon viele tolle Ideen: Beispielsweise wird es künftig ein 3000 Quadratmeter großes Feld geben, das von unseren Seminarkunden bewirtschaftet werden soll. Wir haben dafür extra einen alten Steyr-Traktor angeschafft, mit dem die Manager Furchen durch den Acker ziehen und Gemüse anbauen können. Ein paar Monate später schicken wir ihnen das fertige Gemüse dann samt Kochanleitung zu. Es gibt sehr viele spannende Sachen und mein Leben entwickelt sich nun glücklicherweise vom Bürojob wieder in Richtung Kunde und Richtung Natur. Etwas Besseres kann einem eigentlich nicht passieren.

WANN & WO: Bevor Sie das Firmament gegründet haben, waren Sie offizieller Caterer im Austria Haus bei den Olympischen Spielen in Rio, Pyeongchang und Sotschi. Wie blicken Sie auf diese Erfahrungen zurück?

Ernst Seidl: Es gibt immer nur einen Caterer in Österreich, der dieses Privileg hat – das war schon etwas Besonderes. Als das Österreichische Olympische Komitee angerufen hat, sind wir mit unserem Unternehmen richtig durchgestartet. Wenn man einmal diese Energie aufgesogen hat und drei Wochen lang mit diesen Profisportlern zu tun hatte, dann lässt einen das nicht mehr los. Denn sie fokussieren ein Ziel und ordnen diesem ihr komplettes Leben unter. Wenn dann nach zwei Minuten Schussfahrt die grüne Eins aufleuchtet, kann man sich vorstellen, was da für Emotionen frei werden. Das taugt uns schon sehr – und so tickt auch unsere Firma.

WANN & WO: Sie sehen also ­Parallelen zwischen dem Profi­sport und Ihrer eigenen Arbeitsweise?

Ernst Seidl: Ja, absolut. Wir fokussieren ein Ziel und schauen nicht lange nach links oder rechts oder verkopfen uns, was uns alles hindern könnte, es zu erreichen. Dafür trainieren wir tagtäglich. Nur eben nicht in der Kraftkammer, sondern im Büro, um am Tag der Umsetzung zu hundert Prozent fit zu sein und den Kunden begeistern zu können.

WANN & WO: Gab es bei ­Olympia Begegnungen, die Ihnen ­besonders in Erinnerung ­geblieben sind?

Ernst Seidl: Ein Klassiker ist natürlich Marcel Hirscher. Als er in die Küche kam, um Autogramme zu geben und sich fotografieren zu lassen, war das schon was Spezielles. Oder wenn man mit Lindsey Vonn einen Kaiserschmarren isst. Auch Franz Klammer – eine echte Legende. Man hat hier mit so vielen tollen Persönlichkeiten zu tun. Und sie kommen alle im Jogging- oder Skianzug und sind total umgänglich. Da hat man einen ganz anderen Bezug. Auch weil man weiß, dass im Österreicher Haus keine „Krabbler“ unterwegs sind – da hat man mit den Besten der Welt zu tun. Und das gilt nicht nur für die Sportler, sondern auch für die gesamte Mannschaft des Österreichischen Olympischen Komitees, die das organisiert. Das reicht bis zum Hausmeister, dessen Fokus ebenfalls zu 100 Prozent auf dem Erfolg des Ganzen liegt. Und das ist auch ganz klar unser Zugang.

<p class="title">Zur Person: Ernst Seidl</p><p>Alter, Wohnort: 52, Mäder, Familienstand: verheiratet, zwei Töchter (beide im Familienunternehmen tätig)</p><p>Ausbildung/Funktion: abgeschlossene Lehren zum Konditor und Koch, 1995 Gründung Kochstudio Seidl, später Seidl Catering. Geschäftsführer und Eigentümer Firmament Business Hotel & Events in Rankweil (eröffnet im Oktober 2021)</p><p>Hobbys: Radfahren, Berge, Natur im Allgemeinen: „Sportlich mache ich von allem ein bisschen, aber nichts so richtig gut.“ (lacht)</p>

Zur Person: Ernst Seidl

Alter, Wohnort: 52, Mäder,
Familienstand:
verheiratet, zwei Töchter (beide im Familienunternehmen tätig)

Ausbildung/Funktion: abgeschlossene Lehren zum Konditor und Koch, 1995 Gründung Kochstudio Seidl, später Seidl Catering. Geschäftsführer und Eigentümer Firmament Business Hotel & Events in Rankweil (eröffnet im Oktober 2021)

Hobbys: Radfahren, Berge, Natur im Allgemeinen: „Sportlich mache ich von allem ein bisschen, aber nichts so richtig gut.“ (lacht)

«Profisportler fokussieren ein Ziel und ordnen diesem alles unter. Wenn dann nach zwei Minuten Schussfahrt die grüne Eins aufleuchtet, kann man sich vorstellen, was da für Emotionen frei werden. Das taugt uns – und so tickt auch unsere Firma.»

Ernst Seidl über seine Erfahrungen als Caterer im Austria Haus bei den Olympischen Spielen

«Der zwischenmenschliche Kontakt ist in den ­vergangenen zwei Jahren viel zu kurz gekommen und die Kundenpflege auf der Strecke geblieben. Darauf kann ich mich nun wieder fokussieren.»

Durch die Erweiterung der Firmament-Geschäftsführung hat Ernst Seidl wieder mehr Zeit für andere Dinge

Kurz gefragt

Warum der Name „Firmament“?

Das Firmament, auch als Himmelszelt bezeichnet, ist nach oben völlig offen. Und diese Bedeutung hat es auch für uns: Nach oben ist alles frei und offen, auch die Gedanken. Es gibt keine Limits. Solche setzt man sich nur selbst.

Kochen Sie noch selbst?
Ja, aber nur zuhause. Seit ich mir einen professionellen Koch leisten kann, sagen alle, es würde besser schmecken (lacht).

Welchen Stellenwert hat ­Regionalität für Sie?
Sie ist das Nonplusultra – nicht nur auf Lebensmittel bezogen, ­sondern auf mein ganzes Denken.

Was gehört bei Ihnen unbedingt zu einem guten Essen und was kommt Ihnen auf gar keinen Fall auf den Teller?
Frische Zutaten sind für mich die einzige Prämisse. Ich bin sehr experimentierfreudig und esse eigentlich alles. Was gar nicht geht, sind Fertigprodukte.