schnitte mit schampus

Schwesterherzen

Ich weiß, wo meine Lieblingshandtasche ist. Das Problem an der Sache: Bei mir ist sie nicht. Stattdessen wird sie gerade von meiner kleinen Schwester durch eine Disco getragen, in der wahrscheinlich zwanzig Kerle Bier auf sie verschütten. Das ist großartig. Und überhaupt, die Kerle. Ich würde am liebsten jedes Wochenende Detektivin spielen und kontrollieren, welche männliche Wesen meine Kleine ansprechen. Nur wäre ich dann in geschätzt 70 Prozent der Fälle keine Detektivin, sondern einer der Klitschko-Brüder mit Tollwut.

Ich bin die ältere Schwester einer (manchmal) bezaubernden Achtzehnjährigen. Ich sage euch, es ist schrecklich, wenn sie erwachsen werden, die putzigen Kleinen. Ich will das nicht. Sie ist nämlich auch viel cooler als ich. Mein Plan, die lässige und bei jedem Problem konsultierte große Schwester zu sein, ist kolossal in die Hose gegangen. Madame ruft mich in genau zwei Fällen an, die da wären: „Ich weiß nicht, wie ich vom Steinebach Clubbing heimkomme“ und „Ich habe keine passenden High Heels für heute abend.“ Natürlich helfe ich, wodurch ich tatsächlich auch schon ab und zu in den Genuss gekommen bin, mit der Juniorprinzessin etwas trinken gehen zu dürfen.

Früher habe ich sie noch im Sandkasten vergraben. Und jetzt ist sie volljährig, passt in meine Schuhe und ärgert mich damit, wie viel cooler sie ist. Ich weiß leider wirklich nicht, was heutzutage angesagt und trendy bei der gestandenen Vorarlberger Szene-Jugend ist. Aber das ist okay. Sie weiß ja auch nicht, dass das schwarze Spitzentop, das ich mir letzte Woche geliehen habe, eine halbe Stunde lang von einer deutschen Dogge besabbert wurde.

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melanie.renner@wannundwo.at

In „Schnitte mit Schampus“ schreibt W&W-Redakteurin

Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

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