SCHNITTE MIT SCHAMPUS

Wanderslust

Diesen Sommer war ich vier Mal wandern. Ich kann bereits hören, wie zweierlei Fronten in Gelächter ausbrechen – einerseits die Sportler, denen diese Zahl lächerlich erscheint, andererseits die Leute, die mich kennen, und nicht glauben, dass ich so oft am Berg war.

Denn: Ich gehe zwar extrem gern laufen, aber Wanderungen sind mir ein Graus. Da spielen mehrere Faktoren mit. Es ­beginnt bei der Örtlichkeit: Die freie Natur. Selbstverständlich haben wir in Vorarlberg eine der schönsten Bergkulissen überhaupt. Nur leider fehlt die Bushaltestelle ums Eck, zu der man sich schleppen kann, wenn die Beinchen müde geworden sind. Wer wandern geht, muss es durchziehen – oder sich stundenlang wieder hinunterquälen. Ach ja, hat jemand schon mal eine Toilette in freier Natur gesehen? Für keramikverwöhnte Frauen wie mich reicht der nächste Baum nun mal nicht.

Ein weiteres Problem sind die „Mitwanderer“: Während Jogger rasch an einem vorbeizischen, nehmen es die Wanderer eher gemütlich und versuchen meist, dich mit aufmunternden Sprüchen wie „Nur noch 100 Höhenmeter“ zu motivieren, während dir der Schweiß übers Gesicht läuft und du dachtest, es seien nur noch zehn. Das ist ausgesprochen witzlos.

Für mich als Freundin schöner Schuhe ist außerdem ein Bergschuh nicht das Blaue vom Himmel, ebenso wenig wie die brütende Sonne, die spätestens über der Baumgrenze erbarmungslos herabknallt. Warum ich trotzdem gehe? Leicht erklärt: Ich bin eine Freundin des Einkehrens in gemütliche Hütten. Ein guter Most, eine freundliche Wirtin und ein Sammelsurium von Bergbegeisterten aus aller Herren Länder – das passt schon. Und: Schon mal einen Sonnenauf- oder Untergang am Berg miterlebt? Eben. Also hoch auf den Gipfel mit euch!

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In „Schnitte mit Schampus“ schreibt Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

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