SCHNITTE MIT SCHAMPUS

Heimkehr

Wer die Schnitte regelmäßig liest, wird es schon bemerkt haben: Ich gehe gerne aus. Ich liebe tolle Lokale, guten Wein, leckeres Essen und spannende Leute. Da kann es durchaus auch mal ein wenig später werden. Über den Heimweg habe ich mir selten Gedanken gemacht. Sollte mich jemand entführen, bringt er mich ob meiner großen Klappe sowieso nach zwei Minuten wieder retour – außer, er hat einen richtig guten Knebel. Nachdem Herr Schnitte allerdings seit Kurzem Bedenken anmeldet – zumindest an den wenigen Abenden, an denen wir nicht aneinander kleben – habe ich begonnen, nachzudenken.

Solange ich im Lokal bin, ist alles gut, doch sobald ich mich auf den Heimweg mache, verlangt Herr Schnitte einen sekündlichen Lagebericht. Denn man könnte ja jemandem begegnen und meistens tut man das auch. Inspiriert vom Herrn habe ich also begonnen, verschiedene Typen zu definieren.

Meistens läuft einem Typ eins über den Weg. Dieser kommt oft selbst aus einem Lokal, hat drölfzig Getränke über den Durst gesüffelt und beschließt in dem Moment, in dem er dich sieht, dass er seine „Ich bin ein steiler Hecht“-Attitüde beweisen muss. Das drückt er durch bescheuerte und nervige Sprüche aus, für die man ihm durchaus mal eine langen möchte, aber lieb lächeln und weitergehen reicht meistens.

Typ zwei kommt auch oft vor. Er hat ebenso viel getrunken, ist aber aggressiv, weil er während des Trinkens von seiner Freundin verlassen wurde oder sein Objekt der Flirt-Begierde ihn aufgrund Nüchternheit oder Vernunft abserviert hat.

Typ drei stänkert gerne, fliegt aber wegen seines Alkoholpegels meistens eher in den Bach statt auf dich. Typ drei ist der Elende. Er ist wahlweise a) ebenfalls gerade verlassen worden oder b) aus Prinzip einsam. Er ist der Typ, der dich um Feuer bittet, um dich so in ein Gespräch zu verwickeln, und dich dann eine Stunde lang zutextet, weil sein Leben so schlimm ist. Oh, ihr erkennt jemanden wieder?

Willkommen in der Welt der Heimkehr! Das Wichtigste ist: Drüberstehen. Denn es gibt ja immer noch Typ vier. Der holt dich ab, packt dich in eine warme Decke und ist sogar am Morgen darauf noch da. Ich liebe Typ vier. Und wen trefft ihr so?

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In „Schnitte mit Schampus“ schreibt Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

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