SCHNITTE MIT SCHAMPUS

Eine Zugfahrt …

Die ist lustig. Oder auch nicht. Gerade sitze ich in einem vollkommen überfüllten Railjet und versuche, nicht laut loszuschreien. Dafür lade ich meinen Frust via WhatsApp bei allen Freunden ab – sofern das WLAN funktioniert. Meine Kopfhörer habe ich vergessen, ein absoluter Fauxpas, der mir sonst eigentlich nie passiert. Diese hätten mich sicherlich vor dem zornigen Kleinkind hinter mir gerettet, dessen „Ich will aber was Süßes“-Schluchzer noch falscher klingen als das Playback von Dieter Bohlen.

Aber ich kann ja weghören und mich zum Beispiel den zwei ultracoolen Halbstarken zwei Reihen vor mir zuwenden, die gerade lautstark die Eroberungen vom letzten Wochenende diskutieren. Die Widersprüche, in die sie sich dabei verwickeln, fallen allen auf, nur ihnen selbst nicht.

Während ich versuche, mich auf dem Sitz in eine halbwegs bequeme Position zu manövrieren, kommt der Snackwagen vorbei. Perfekt – ein Kaffee ist jetzt genau das Richtige, um mich von den Ärgernissen einer ausreservierten ersten Klasse und viel Lärm in der zweiten abzulenken. Doch siehe da: Die Kaffeemaschine ist kaputt. Der Holde, die Messer in meinen Augen bemerkend, rennt glücklicherweise in den Speisewagen, um mir meine dringend benötigte Koffeindosis zu holen.

Das allerdings hat den Nachteil, das ich jetzt mit den zwei sächsischen Mitreisenden gegenüber allein bin. Sächsisch ist der schlimmste Dialekt der Welt. Ehrlich. Und zu allem Überfluss okkupiert das Paar mit „Mettwurst-Stullen“ und diversen Säften auch noch fast den kompletten Tisch, so dass meine Wasserflasche bereits vier Mal runtergefallen ist.

Der Espresso kommt und schmeckt nach Spülwasser. Erfüllt von Weltschmerz und triefend vor Selbstmitleid, schlage ich mein Buch auf und lehne mich zurück, nur um sofort wieder nach vorn zu schießen – ein eiskalter Strom Klimaanlagen-Luft bläst mir ins Gesicht.

Seufzend blicke ich auf die Uhr. Noch fünf Stunden. Hätte ich doch nur nicht
solche Flugangst …

Schreibt eure Meinung an

redaktion@wannundwo.at.

In „Schnitte mit Schampus“ schreibt Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

Artikel 1 von 1