Das liebe Bad

Ich bin immer wieder froh über mein großes Badezimmer. Hätte ich das Wandsims und den Platz für ein Regal nicht, müssten wohl die Küchenschränke dran glauben und meine riesige Sammlung an verschiedenen Pflegeprodukten aufnehmen. Nicht nur einmal habe ich die Frage „Benutzt du das alles wirklich?“ gehört.

Offiziell bin ich ja keine, die im Bad ewig braucht. Morgens bin ich schneller raus als mein Freund und auch vor dem Ausgehen benötige ich nur ein paar Minuten länger. Beschwert hat er sich jedenfalls noch nie. Doch wehe, wenn ich allein bin! Wie ein Panther lauere ich, bis die Tür zufällt, um dann mit einem Satz ins Bad zu springen und mir das Rundumprogramm zu gönnen. Zuerst wird die Wanne eingelassen – und zwar mit so viel Schaum, dass man außer weißen Wölkchen gar nichts mehr sieht. Derweil wird der Rest zurechtgelegt: Maske, Peeling, Creme, Haarpackung usw. Wenn ich dann mit grüner Lampe im Gesicht und weißer Pampe im Haar in einem Meer aus Schaum liege, bin ich richtig tiefenentspannt (zumindest, wenn die Tür abgeschlossen ist)!

Raus aus der Wanne, geht es weiter mit Bodylotion, Tonic, Seren und – ich stehe dazu – Anti-Aging-Creme. Mit Ende 20 ist das Beauty-Leben halt auch ein bisschen anstrengender als mit 18. Wehe, wenn sich auf der Stirn auch nur der Schatten einer Linie abzeichnet – nach einem mittleren Tobsuchtsanfall rücke ich ihr mit mindestens sieben Produkten zu Leibe. Ha!

Und nun ein Geständnis: Ist mein Freund nicht da, schwindle ich. Gehen wir abends aus, treffe ich schon mal unauffällige Vorbereitungen: Grundierung, Puder, Wimperntusche. Dann setze ich mich in bequemer Kleidung auf die Couch und warte, bis der Herr heimkommt und „Warst du noch nicht im Bad?“ ruft, damit ich aufspringen, ins Badezimmer radieren, Lidschatten, Lippenstift und Highlighter auftragen und nach drei Minuten perfekt geschminkt und gepflegt zurück ins Wohnzimmer stolzieren kann. Dies bringt mir respektvolle Blicke ein. Ich bin halt keine, die ewig braucht. Zwinker, zwinker.

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In „Schnitte mit Schampus“ schreibt Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

SCHNITTE MIT SCHAMPUS

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