„Touri-Alarm“

Willkommen, Österreich!“, heißt eine beliebte Sendung und seit Kurzem heißt es auch wieder „Willkommen in Österreich“ – für jede Menge Touristen. Die Saison geht los und massenweise Besucher strömen zu Vorarlbergs zahlreichen Ausflugszielen. Für uns ist das natürlich eine ganz tolle Gelegenheit, ein bisschen über alle anderen zu raunzen. Fotografierende Asiaten, grölende Russen, Deutsche mit weißen Socken in Sandalen – herrlich.

Doch auch der Vorarlberger ist im Ausland Tourist und während meiner letzten Reisen ist mir dabei einiges aufgefallen – wir sind nämlich ganz schön zickig! … ich will ja eigentlich nicht extra darauf hinweisen, doch sicherheitshalber: Nachfolgendes ist mit Augenzwinkern zu betrachten.

Los geht es damit, dass der Vorarlberger komplett verwirrt ist, wenn sich ihm keine monumentale Alpenkulisse auftut. Da kann das Meer noch so klar, der Himmel noch so blau und die Palmen noch so hoch sein – wenn keine Berge in der Nähe sind, findet man die Landschaft schon rein aus Prinzip oasch.

Und erst das Essen! Ramen-Suppe in Japan, fangfrische Garnelen in Spanien und Foie gras in Frankreich sind zwar ganz lecker, aber irgendwie ist dem Vorarlberger „des abghobene Züg“ auch ein bisschen suspekt. Gibt es denn kein Schnitzel mit Kartoffelsalat? Da wäre man auf der sicheren Seite. Ebenso beim Bier: „Also, üser Mohra isch scho a Stuck besser als dia Plörre do!“

Speziell in den südlicheren Gefilden ist der Vorarlberger auch schnell einmal empört ob der (Un-)Sittlichkeit. Der knackige Po einer Brasilianerin im String-Bikini? „Jo, kann sich dia ned körig alega? Wia lauft denn dia uma?“ Der leidenschaftlich-laszive Tanz zweier Südländer? „Jo wia tuand denn dia? Kond sich dia ka Zimmer suacha?“

Was ich auch öfters erlebe, ist, dass Vorarl­berger prinzipiell davon ausgehen, dass ihr Gegenüber Dialekt spricht. Gerade kürzlich erlebt an einem tschechischen, aber auch schon an einem britischen Hotelempfang: „Grüß Gott, mir hond do a Zimmer reserviert!“ Ja klar, jeder Brite spricht Bregenzer
Dialekt.

Wie ihr seht, können wir also ruhig mal ein bisschen tolerant in Sachen Touristen sein – immerhin sind auch wir mal welche! Und bei der nächsten Reise dran denken: Auch ihr wart mal Einheimische.

Schreibt mir eure Meinung an
redaktion@wannundwo.at

In „Schnitte mit Schampus“ schreibt W&W-Redakteurin Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.