SCHNITTE MIT SCHAMPUS

„Hausfrau“

Häuslich zu sein war überhaupt nicht mein Ding. Mit Anfang, Mitte 20, war ich eine absolute Partymaus und wäre niemals auf die Idee gekommen, Kleidchen und Rougepinsel gegen Schürze und Kochlöffel auszutauschen.

Wenn ich mal Urlaub hatte, war ich untertags im Schwimmbad und abends in den Dornbirner und Bregenzer In-Bars anzutreffen und sonst nirgends.

Und überhaupt: Haushalt? Sesshaft werden? „Ich werde niemals eine Hausfrau! Ich muss Karriere machen!“, verkündete ich in einem Anflug von Feminismus jedem, der es hören wollte (oder auch nicht).

Wenn ich heute an diese Zeit zurück denke, muss ich ein bisschen grinsen. Es kommt halt nicht immer alles so, wie man sich das vornimmt.

Mit Mitte 20 entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Kochen, die sich mittlerweile zu einer Religion ausgewachsen hat. Ich habe immer noch viele Kleider, aber mittlerweile auch viele Kochlöffel.

Wenn ich frei habe, findet man mich eher in Einrichtungsgeschäften und auf der Terrasse. Ich bekomme eine absolute Lebenskrise, wenn jemand meine Blumen verrückt oder eine früher verwelkt, und nicht mehr wenn das Taxi nicht rechtzeitig kommt.

Ich bin gerne Hausfrau. Ich arbeite auch gern. Die Karriere? Läuft. Aber man muss sich nicht dafür schämen, wenn man außerdem trotzdem gern den Haushalt macht.

Und jetzt raus hier, ich muss meine Bücher sortieren.

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In „Schnitte mit Schampus“ schreibt W&W-Redakteurin Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

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