SCHNITTE MIT SCHAMPUS

„Stars und Sternchen“

Vor ein paar Wochen flippte meine Freundin A. vollkommen aus. „Es ist so weit!“, kreischte sie morgens durchs Telefon in mein Ohr, „ich fliege nach Berlin!“ Ich überlegte kurz. A. fliegt dauernd irgendwo hin, also war das eigentlich kein Grund zur Aufregung. „Okay, und was ist daran so besonders?“, fragte ich also. Am anderen Ende kurz Stille, und dann: „Also, dass du das nicht weißt! Heute ist Britney mit ihrer Las Vegas-Show in Berlin! Britney!“ Jetzt war ich endgültig ratlos: „Welche Britney?“ – „Melanie! Ich meine natürlich Britney Spears! Also bitte!“

Meine Freundin meinte tatsächlich jene Britney, welche wir als junge Mädels verehrt hatten. Das Top-Idol, die millionenschwere Teenie-Sängerin. Die Romanze mit Justin Timberlake. Der Absturz. Die Glatze. Wir hatten alle Details gierig aufgesaugt. Wir hatten sie geliebt, klar. Aber: Das war vor 15 Jahren. Muss man da heute echt auf ein Konzert? Als ich dieses Bedenken äußerte, warf mir A. ein zorniges „Du bist so ahnungslos! Britney wird immer die
Göttin bleiben!“ um die Ohren und legte auf.

Wohlweislich hielt ich nach dieser Erfahrung dann auch die Klappe, als Freundin C. und ihr Freund mir aufgeregt erzählten, sie hätten sich Karten für die Kelly Family gekauft. Ob ich auch eine wolle, fragten sie. Wäre doch genial, die Stars der Kindheit aufleben zu lassen. … äh, nein danke.

Was soll der Nostalgie-Starkult?, fragte ich mich. Die haben sich ja alle nicht umsonst aus der Szene zurückgezogen – und ganz ehrlich, so grandios ist Britney Spears Musik nun echt nicht, dass man da unbedingt zum Konzert nach Berlin muss.

Wieso wollten also alle Freunde auf einmal zu den Helden der Teenie-Zeit? Wie peinlich. „Die können einfach alle nicht dem älter werden umgehen und wollen sich wieder jung fühlen“, dachte ich. Damit war das Thema eigentlich für mich erledigt.

Aber dann passierte es. Ich hörte ganz harmlos Radio, als auf einmal … Oh! Mein! Gott! Es gibt wirklich ein neues Album von Cher! Und sie covert auch noch ABBA-Songs! Und geht angeblich damit auf Tour! Cher! Ohmeingottohmeingottohmeingott! Wo gibt’s Karten?!

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In „Schnitte mit Schampus“ schreibt W&W-Redakteurin Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

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