SCHNITTE MIT SCHAMPUS

„Zwickeltage“

Zu den Dingen, die ich richtig bescheuert finde, gehören Zwickeltage. Also die zwischen Feiertag und Wochenende. Noch bescheuerter finde ich Zwickeltage, an denen ich arbeiten muss. Und das sind praktisch alle, denn ich sehe es absolut nicht ein, mir wegen einem Tag Urlaub zu nehmen. Nö. An dem Tag könnte ich so viel erledigen! Jedoch nehme ich es mir am Ende jeden Zwickeltages doch für den nächsten vor.

Es fängt schon damit an, dass man an einem solchen Tag nie richtig fit ist, weil man prinzipiell noch von den Abenden davor leidet. Wie zum Beispiel diese Woche an Allerseelen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag beschloss ich, dass die Temperaturen (ein Grad) genau richtig für ein leichtes Sommermäntelchen sind, was mir eine dicke Erkältung einbrachte. Zudem lief am Donnerstag noch ein Austropop-Special im Fernsehen, welches ich auf keinen Fall verpassen konnte, nur leider eben bis spät in die Nacht. Am Freitag tauchte ich also erkältet und übermüdet im Büro auf, wo ich mich mit totaler Einsamkeit konfrontiert sah.

Das ist nämlich das nächste Ding: Am Zwickeltag arbeitet keiner. Na gut, Dienstleister und Geschäfte, ja. Da sieht man dann hinter Theken und vor Regalen lauter „glücksstrahlende“ Gesichter. Aber ansonsten, in Büros: kein Mensch. Nicht in meinem und blöderweise auch nicht in den anderen. Mein Plan, an diesem Tag ein paar längst überfällige Telefongespräche mit Partnerbetrieben zu führen, fiel also mit Karacho ins Wasser. Stattdessen machte ich, hurra, mal wieder meine Ablage und verfluchte still den Tag. Hätte ich allerdings auch laut machen können, hört ja niemand.

Ein dritter Punkt: Man vereinsamt an einem Zwickel-Arbeitstag. Während man selbst Akten in Ordner einsortiert, sitzt nämlich der Rest der Welt schon lange beim Sektbrunch oder fährt nach Innsbruck shoppen. Wenn man dann also gegen Mittag – länger hält man es einfach nicht aus – schlecht gelaunt aus dem Büro stolpert, sind alle Freundinnen schon beduselt oder nicht da. Auch großartig.

Den nächsten Zwickeltag nehme ich mir frei. Denke ich.

Schreibt mir eure Meinung an
redaktion@wannundwo.at

In „Schnitte mit Schampus“ schreibt W&W-Redakteurin Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.

Wann & Wo | template