SCHNITTE MIT SCHAMPUS

Go, Greta!

Egal, wo meine wunderschönen neuen Chelsea- Boots mich hintragen: Sie ist schon dort. Allgegenwärtig. Sie ist der Schatten über den Klimagipfeln, der Robin Hood der Umwelt und der Kaugummi unter den Schuhsohlen des EU-Parlaments: Greta Thunberg. Die Teenie-Klimaaktivistin lässt keinen kalt und polarisiert wie nur wenige. Und spätestens, seit ihre #fridaysforfuture-Aktionen auf der halben Welt stattfinden, ist sie auch in den Lehrerzimmern dieser Welt eine Konstante. Warum eigentlich? Denn, wenn wir mal ehrlich sind: Greta Thunberg erzählt uns nichts Neues. Das wussten wir alles schon, vielen Dank.

Das ist bei vielen Influencern zwar auch so, aber Thunberg fehlt das Influencer-Gen gänzlich. Die junge Autistin postet keine stundenlang retuschierten Selfies, sie ist kein bisschen gestylt und hat an Selbstinszenierung etwa so viel Interesse wie an der Vergrößerung des Ozonlochs. Warum also hören wir ihr zu? Ganz einfach: Thunberg hat etwas, das vielen jungen Menschen fehlt: Eine Message, die tiefgründiger ist als „Trink’ diesen Diätshake“. Auch, wenn sie selbst auf den ersten Blick kein bisschen cool ist: Sie macht Einsatz, Umweltbewusstsein, Zukunftsdenken und Wissenschaft wieder cool. Und wen das alles trotzdem nicht interessiert, der hat zumindest eine verdammt gute Ausrede, einmal die Woche die Schule zu schwänzen.

Ob Greta dafür, wie kürzlich vorgeschlagen, den Nobelpreis verdient, sei dahingestellt. Denn wie gesagt – sie erzählt uns nichts Neues, außer, dass das große Übel Atomenergie jetzt auf einmal kein großes Übel, sondern die Lösung ist (echt jetzt???). Aber ich finde es gut, dass „die Jungen“ durch sie wieder mehr Bewusstsein für ernste Themen bekommen – und auch etwas tun. Deshalb: Go, Greta!


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In „Schnitte mit Schampus“ schreibt W&W-Redakteurin Melanie Renner augenzwinkernd über Frauenthemen, die manchmal auch Männer bewegen.