KOPFSTÜCKE

Unterwegs

Vor vielen Jahren durfte ich bei einer großen Jugendorganisation arbeiten. Ein Privileg, wie ich damals schon wusste. Wer kann sich schon in seiner Arbeitszeit Gedanken darüber machen, wie er mit jungen Menschen arbeiten möchte, was die brauchen könnten, wie sie motiviert werden können, um die Welt nach ihren Möglichkeiten etwas besser zu gestalten? Zugegeben, da fallen mir schon einige Berufe ein: Lehrer, Sozialarbeiter, Psychologen, Pädagogen, Lehrlingsausbildner. Allerdings gab es damals noch fast keine Sozialarbeiter und auch Psychologen waren ganz dünn gesät. Also haben wir uns mit unserem Team aufgemacht, um zu gestalten. Und es war eine gute Zeit. Arbeitsintensiv, herausfordernd, manchmal konfliktreich. Immer aber mit dem Focus auf junge Leute gerichtet. Das Spannende daran war, dass ich damals selbst auch noch ziemlich jung war. Mit heute verglichen sogar: Sehr jung. Aber wir haben getan und gemacht. Haben uns manchmal einen blauen Fleck geholt, häufiger aber mit großer Freude gesehen, was wir zusammen mit vielen zusammen gebracht haben.

Und bei all den vielen Erinnerungen an diese Zeit ist mir eine ganz besonders hängen geblieben. Vis-a-vis meines Büros, das auf eine stark befahrene Straße hinausging, standen eines Nachmittags zwei Autostopper. Ja, das gab es damals sehr viele. Ich habe sie wahrgenommen, war in meine Arbeit vertieft und als ich das nächste Mal aufblickte, waren die beiden weg. Mitgenommen an ein mir nicht bekanntes Ziel. So war das dann auch bei meinem Abschied aus der Jugendarbeit. Ich weiß nicht, wohin die vielen Menschen alle gegangen sind, mit denen ich arbeiten durfte. Von allen aber hoffe ich, dass sie das Ziel erreicht haben, dass sie ansteuerten. Mehr kann man doch über die Arbeit mit Menschen nicht sagen.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Autostopper sind Menschen, die mit herausgestrecktem Daumen auf sich aufmerksam machen, dass sie mitwollen. Heute eine fast ausgestorbene
Spezies. Schade.

In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.

Artikel 1 von 1