Kopfstücke

Respektsperson

Ich weiß nicht wie alt Sie sind und wie weit Sie sich zurück erinnern können. Bei mir ist das, altersbedingt, schon etwas weiter. Und da gab es sie noch. Die Respektspersonen. Der Lehrer. Eh klar. Der Pfarrer. Schon wie der angekleidet war, musste man zu ihm aufschauen. Oder der Bürgermeister. In meiner Kindheit gab es bei uns einen ganz klassischen. Seine Leibesfülle hat viel Respektiergebietendes ausgestrahlt. Und natürlich der Gendarm. Da dies ausgerechnet mein Vater war, lebte ich mit einer Respektsperson jahrelang unter einem Dach. Das war manchmal herausfordernd. Soviel darf ich Ihnen heute verraten.

Und noch etwas: ich habe mich damit immer schwer getan. Nur weil jemand ein bestimmtes Amt innehatte, einen bestimmten Beruf ausübte oder eine bestimmte Kleidung trug, soll ich vor dem Respekt haben? Das wollte mir nicht in den Kopf. Darum habe ich ihn benutzt und nachgedacht. Was unterscheidet eigentlich eine Respektsperson von allen anderen Menschen? Wenig. Klar, der Beruf, die Kleidung, das Einkommen. Aber Menschen sind es doch wohl alle. Oder?

Und dabei ist mir klar geworden, dass jeder Mensch meinen Respekt verdient. Zugegeben, nicht immer im gleichen Ausmaß. Wenn mich jemand ärgert, im Straßenverkehr durch sein Verhalten gefährdet, wenn ich mit seinen Aussagen überhaupt nicht mitkann, dann schwindet er. Und trotzdem möchte ich Menschen auf gleicher Augenhöhe begegnen. Gleichgültig, ob sie älter oder jünger sind. Gebildeter oder weniger gebildet. Inländer oder Ausländer. Mann oder Frau. Respekt hat nämlich sehr viel mit Achtung und Höflichkeit zu tun. Respekt drückt sich in der Kindererziehung beispielsweise darin aus, dass ich Kindern auch Grenzen setze. Vor allem dann, wenn sie sich sonst selbst Schaden zufügen würden.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Beim Respekt verhält es sich wie bei den meisten heiklen Punkten im Leben. Wenn ich für mich Respekt beanspruche, dann….Sie wissen schon.


In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.

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