Von Blondinen und Vorurteilen

Eine Blondine und ein Rechtsanwalt sitzen im Flugzeug nebeneinander. Dem Rechtsanwalt ist langweilig. Er möchte die Blondine abzocken. „Lust auf ein Spiel?“ „Jeder stellt dem anderen eine Frage. Wer keine Antwort weiß, gibt dem anderen fünf Euro.“ Sie lehnt ab. Er erhöht den Einsatz zu ihren Gunsten. „Sie bekommen 50 Euro, ich weiterhin fünf für jede nichtbeantwortete Frage.“ Die Blondine macht mit. Der Anwalt beginnt mit einer langen, komplizierten juristischen Frage. Da sie die Antwort nicht weiß, bekommt er fünf Euro. Jetzt ist die Blondine dran: „Was hat vier Flügel, wenn es auf das Dach fliegt und drei, wenn es wieder herunter fliegt?“. Der Anwalt denkt nach, googelt durch alle Seiten im Netz, gibt auf und der Blondine 50 Euro. Sie steckt sie ein. Darauf der Anwalt: „Und was ist die Antwort?“. Die Blondine dreht sich zu ihm und gibt ihm fünf Euro.

Soviel zu Vorurteilen. Dazu gibt es übrigens noch bis Herbst im Vorarlberg Museum eine sehenswerte Ausstellung über Roma und Sinti. Und den bestehenden Vorurteilen diesen Menschen gegenüber. Einer Gruppe, die seit 2014 wie kaum eine andere Leserbriefspalten, Stammtischdiskussionen und politische Debatten beflügelt hat. Das Museum will mit der Ausstellung nicht moralisieren, sondern sensibilisieren. Wer die Ausstellung gesehen hat, weiß es. Wer auch noch bei der Ausstellungseröffnung dabei war, hatte auch das große Vergnügen mitzuerleben, wie der Schweizer Künstler Mark Riklin gemeinsam mit Studierenden der Fachhochschule gegen Vorurteile vorgeht. Mit einer riesigen Spritze konnte man sich gegen Vorurteile impfen lassen. Und in einem eigens entwickelten Vorurteilsshredder seine Vorurteile endgültig in den Mülleimer werfen.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Vorurteile sind ja meist negativ. Vor allem aber zeichnen sie sich dadurch aus, dass wir sie ohne genaue Prüfung übernehmen. Da genügt oft schon ein Gerücht. Ein Besuch im Vorarlberg Museum lohnt sich.

In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.

Kopfstücke

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