Förderalismus – Standpunkte

In der fernen Mongolei lebte einmal ein junger Bursch; er war ungestüm und unternehmungslustig, ihn stach, wie man sagt, der Hafer. Er dachte bei sich: „Mongolenberg ist too small for me“, stellte kurz entschlossen eine Truppe zusammen und ging auf Tournee. Sein bürgerlicher Name war Dschingis Khan, sein Künstlername „Die Geißel Gottes“ und sein erklärtes Ziel die Eroberung der Welt. Das Konzept war bestechend einfach: Alles platt machen, was sich entgegenstellt. Dementsprechend zügig schritt das Projekt voran und irgendwann war auch der westliche Zipfel der damaligen Welt, also Europa, an der Reihe. Die Hiesigen (es war die Blützeit der wackeren Rittersleut‘) traten ihm mit einem Aufgebot entgegen – und wurden plattgemacht. Der Weg ins Herz Europas war offen. Dann hat er es sich aber irgendwie anders überlegt und ist kurzerhand gestorben. Zu allen Zeiten haben die Menschen darüber gerätselt, was den Lauf der Welt bestimmt und sie haben die unterschiedlichsten Modelle und Theorien aufgestellt, wie das große Uhrwerk angeblich tickt. Aber erst uns Heutigen ist es gegeben, zu durchschauen, welches Prinzip in der Weltgeschichte waltet. Sie kennen es aus der Werbung: Lotto, alles ist möglich. Vorarlberger Zeitungen erschienen gerne mit Titelseiten wie dieser: „Vorarlberg klagt den Bund“. Sie lassen auch heute noch Separatisten-Herzen höher schlagen. Wären die Würfel anders gefallen, würde die Föderalismus-Schlagzeile heute lauten: „Landeshauptmann Wallner hat in Ulan-Bator Klartext gesprochen!“

 
 Bohuslav Birka, Dornbirn

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