Kopfstücke

1984

Sie haben es sicher auch gelesen? Während wir uns den Kopf über die DSGVO – Sie wissen schon, die Datenschutzgrundverordnung, die seit Mai dieses Jahres regelt, wie mit unseren Daten umgegangen werden muss – zerbrechen, gehen die in China ganz andere Wege.

Dort soll es ab 2020 ein automatisches System geben, das die Aktivitäten der Bürger im und außer dem Internet bewertet. Wer sich wohl verhält, der bekommt Pluspunkte. Wer nicht, Abzüge. Das wirkt sich aus. Bei der Kreditwürdigkeit, beim Check- In am Flughafen, bei der Jobsuche, beim Kauf einer Zugfahrkarte. Und das erstaunliche daran: die Leute dort finden das gut. Nach dem Motto: „Ich hab eher nichts zu verbergen!“. Das glaub ich aber nicht. So ganz oberflächlich gesehen stimmt das vielleicht. Wer aber genauer nachdenkt, dem fallen ganz bestimmt viele Dinge ein, von denen er nicht möchte, dass sie von allen geteilt werden können. Bei mir zumindest ist es so. Es gibt viele Bereiche, die nur mir gehören. Oder vielleicht ein paar Menschen, mit denen ich sie teile. Was geht die anderen mein Sexleben an? Was ich über manche Angelegenheiten denke? Wie ich zu Hause herumlaufe? Ob ich viel oder wenig Alkohol trinke? Was mir peinlich ist? Oder was mir völlig egal sein kann? Wen ich bei der nächsten Wahl wählen werde? Eben. Darum geht es auch in der Debatte. Werde ich in China ganz plötzlich gezwungen das Innerste nach außen zu kehren? Und kommen die Regierenden in Europa und in Österreich am Ende auch auf die Idee so ein Punktesystem einzuführen? Mich graust davor. Und ich würde alles tun, um mich dagegen zu wehren.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Wenn Sie zu denen gehören, die nichts zu verbergen haben, dann gratuliere ich Ihnen. Sehr interessieren würde mich aber, ob es nicht doch etwas gibt…?


In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.

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