Zynisch, weltfremd oder dilettantisch?

Der neueste Bericht der OECD „Chancengleichheit in der Bildung“ bestätigt einmal mehr den jahrzehntelangen Trend der sozialen Auslese im österreichischen Bildungssystem. In Österreich sind die Chancen auf eine bessere Bildung besonders ungleich verteilt und von der sozioökonomischen Herkunft der Eltern abhängig. Laut dieser Studie rangieren wir unter dem OECD-Schnitt, obwohl wir weltweit zu den Ländern mit den höchsten Bildungsausgaben gehören. Mit anderen Worten: Je bildungsferner das Milieu ist, in dem ein Kind aufwächst, umso schlechtere Karten hat es in seinem späteren Leben. Wie reagiert nun Bildungsminister Faßmann auf diese nicht ganz neue Erkenntnis? Er fühlt sich bestätigt, wenn er als Gegenmaßnahmen auf die Einführung von Deutschklassen verweist oder die Talentechecks vor den Bildungsübergängen. Das sind Maßnahmen zur Desintegration und nicht zum Abbau von Ungerechtigkeiten. Fühlt er sich bestätigt darin, dass unser selektives Schulsystem sozial schwächere Kinder noch mehr benachteiligt? Darin, dass Kinder aus einem bildungsnahen Elternhaus noch mehr bevorzugt werden? Darin, dass die Chancengerechtigkeit noch mehr unterhöhlt wird? Wenn er diese evidenzbasierten Fakten ignoriert – aus welchen Gründen auch immer, ist er für mich entweder zynisch, weltfremd oder dilettantisch. Damit leistet er einen weiteren Beitrag zur Spaltung unserer Gesellschaft und zur inhumanen Politik der türkis-blauen Bundesregierung!

 Prof. Mag. Peter  Fischer, Rankweil, Sprecher der  ARGE Gemeinsame Schule

Artikel 149 von 157
Wann & Wo | template