Wem die Stunde nicht mehr schlägt

Es handelt sich hier nicht um einen Zweitroman von Ernest Hemingway, sondern um eine ungute Story aus dem Hinterwälder idyllischen Örtchen Au-Rehmen, denn dort gehen seit einigen Wochen die Uhren anders, bzw. gar nicht. Auf Grund eines Beschlusses des Pfarrkirchenrates – über die Köpfe der Dorfbevölkerung hinweg – wurde das Schlagen der Rehmer Kirchturmuhr vom hölzernen Türmchen während der Nachtstunden eingestellt! Unglaublich, ist es doch die ureigenste Funktion einer Kirchturmuhr, auch während der Nacht die Stunden hörbar zu verkünden (sehr moderat mit max. 48 dB). Übrigens, sie tut es seit 1803, genau und verlässlich, sowie auch in dunkelster Nacht. In Au wurden schon vor Jahren die nächtlichen Glockenschläge dem Tourismus geopfert. Soll das nun tatsächlich auch in Rehmen, irgendwelcher Befindlichkeiten wegen, geopfert werden? Das Schlagen der Kirchturmuhr gehört zum funktionellen und dorfkulturellen Leben genauso dazu, wie das Plätschern des Dorfbrunnens, das Rauschen des Rehmer Baches, das Krähen der Hähne, oder das Donnergrollen bei einem Gewitter, welches auch nicht willkürlich abgestellt werden kann. Ich würde mir wünschen, dass die zuständigen Herren des PKR Au diesen Beschluss nochmals überdenken, um den Normalzustand wieder herzustellen, zumal der überwiegend größte Teil der Rehmer Dorfbevölkerung keine Änderung der althergebrachten akustischen Zeitanzeige wünscht, ganz im Gegenteil! Es ist sehr bedenklich, wenn hier gewachsene Strukturen und dorfkulturelle Traditionen leichtfertig abgeschafft werden. Quo vadis Rehmen – was wird wohl das Nächste sein?

 
 Ortschronist OSR

 Roland Moos, Au

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