Konfuzius

Ja, auch der Kopf ist nicht vor Konflikten gefeit. Sie wissen schon, das sind die Situationen, die die einen Suchen wie der Trüffelhund den Trüffel, andere meiden wie der Teufel das Weihwasser und andere versuchen das Beste daraus zu machen.

Vom Naturell her bin ich ja eher ein verträglicher Zeitgenosse. Streit suchen liegt mir nicht. Ich komme auch so in Kontakt mit anderen Menschen und mit mir. Aber es gibt halt auch Grenzen, die ich nicht gerne übertreten lasse. So auch vor einigen Monaten bei einer Veranstaltung. Plötzlich waren meine von mir vor Beginn schon eingenommen Sitzplätze von anderen Menschen belegt. Ich musste noch einmal nach draußen und hab’s beim Wiederkehren in den Saal festgestellt. Meine Jacke lag auf einem anderen Stuhl. Das habe ich gar nicht gerne gesehen. Neben meiner Frau zu sitzen wäre nicht mehr möglich gewesen. Und dabei waren wir ja schon sehr pünktlich dort.

Denen an unseren Plätzen Sitzenden ging es genauso. Sie hatten Plätze für diesen Tisch, wie wir übrigens auch. Und sie fühlten sich sehr im Recht. Wenn man ihnen zuhörte, verstand man sie auch. Es waren „ihre“ Plätze. Aber halt auch „unsere“. Sie können sich vorstellen, dass die Stimmung nicht gerade erbaulich war. Und es auch eine Weile so blieb. Wir haben uns dann geeinigt. Und das Beste daran: trotz des anfänglichen Ärgers, den wir alle auf einander hatten, versuchten alle Beteiligten miteinander ins Gespräch zu kommen. Es gab Wein. Wir haben einander zugeprostet. Es gab zu essen. Wir haben uns das Essen gereicht. Und zum Schluss der Veranstaltung haben wir intensiv miteinander geredet. Und uns dann sehr freundlich voneinander verabschiedet.

Und im Übrigen haben Sie Recht: So stelle ich mir die Lösung von Konflikten vor. Es darf die geben. Manchmal muss man dabei halt über den eigenen Schatten springen.

In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.

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