„Lehre“: Cui bono?

Ich bin ein Musterlehrlingsergebnis: Aus „einfachen“ Verhältnissen stammend, wurde mir gesagt: „Machsch a Lehr i da Industrie, do kannsch guat verdiana!“ Nach dem 9. Schuljahr brav die Industrie Lehre absolviert. Nach der Lehre brav den Grundwehrdienst absolviert. Danach brav 20 Jahre loyal in einer Firma gearbeitet. Weitergebildet, und „hoch“-gearbeitet. Kurz gesagt, ganz normal. Perfekt! Aber für wen? Cui bono? Was habe ich für die Gesellschaft getan? In der Freizeit im Ehrenamt „möglichst“ viel. Aber in den 10 Std. der 5 Tage pro Woche, also den 60.000 Std.+ meiner unwiederbringlichen Lebenszeit? Da war ich brav dem „System“ dienlich. Da hab ich Gewinne für die Firmenbosse „erwirtschaftet“, via Steuern die Politiker zu reichen Männern gemacht (während das Sozialsystem, was ich glaubte zu finanzieren, bergab gewirtschaftet wurde), mein „verdientes“ Geld durch den Handel den Konzernen zugeführt. Wie kommt mein Geld (meine Lebenszeit) bei der Gesellschaft an? Gar nicht. Es „versickert“ im „System“. Cui bono? Den Profiteuren des Systems! Nicht den Bürgern. Und aktuell werden die „untersten“ Schichten aufeinander gehetzt, damit der große Reibach weiter für die Profiteure läuft. Arbeiter vs. Arbeitslose vs. Migranten vs. Asylwerber, jung vs. alt und links vs. rechts. Sitzen wir nicht alle im selben Boot? Ist die Schieflage zwischen uns, oder viel eher gegen „oben“ zu suchen? War ich also „nur“ ein braver Sklave dieses Systems? Scheint so. Gewonnen hab ich nichts. Ich habe genug Geld, um mir möglichst viel „Ablenkung“ und „Ausgleich“ zu finanzieren. Aber zu wenig, um unabhängig zu sein. Zerstöre tagtäglich die Umwelt unserer Kinder und Enkel durch die Produktion sinnfreier Konsumgüter wie Autos, Industrieanlagen, Billigmöbelzubehör, Plastikflaschen, … Ach, ich vergaß: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut!“ Nochmal liebe Jugendliche und Aufwachsende: Cui bono? Überlegt’s euch gut, „was“ ihr werden möchtet! Es ist eure Zukunft!

 Mario Deutsch, Rankweil

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