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Kopfstücke

Ab durch die Mitte

Viel wird seit Langem über die berühmte Mitte geredet und geschrieben. Da kann sich der Kopf nicht verschließen. Oder? Angeregt durch eine Broschüre, die mir unlängst in die Hände gefallen ist. Darin habe ich viel darüber gelesen, wie ich meine Mitte finden kann. Auch vom Mittelstand war die Rede. Dass der bröckelt. Dass er das Fundament unseres Wohlstandes ist. Und natürlich, dass sich jeder aus dem Mittelstand lieber nach oben als nach unten orientiert. China habe es beispielsweise geschafft, den Mittelstand um ein paar hundert Millionen Menschen stärker zu machen und damit aus der Armut heraus zu führen. Die Mitte der Gesellschaft ist es auch, wohin wir uns bewegen wollen. Dazugehören. Und nicht außen vor bleiben. Oder die eigene Mitte finden. In sich ruhen und so weiter. Mittig sein halt. Einer, der es selbst erlebt hat, beschreibt das Problem mit seiner Mitte so:“ „Wenn ich meine innere Mitte nicht spüre und eine große Leere orte, dann esse ich so viel, dass mir übel wird. Und dann spüre ich in der Mitte: Es ist zu viel!“ Das ist ein deftiger Zugang zur eigenen Mitte.

Für andere bedeutet Mitte im Mittelpunkt stehen. Stehen sie nicht selbst dort, dann ist ein Abend, eine Veranstaltung oder ein Gespräch am Tisch rasch fad und langweilig. Politiker sollen in dieser Gruppe häufig anzutreffen sein. Hört man. Oder Vertreter des Rechts. Manch Lehrperson. Männer eher als Frauen.

Ganz besonders gefallen, hat mir aber ein Beitrag, der das mit dem die Eigene-Mitte-Suchen langweilig findet. Er will viel lieber einmal oben oder unten sein. Einmal links und dann wieder rechts. In allen Sphären zu Hause und nicht statisch an einem Ort.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Kein Mensch kann immer in der Mitte sein. Dafür sorgt unser Leben. Tagtäglich.


In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.