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Ein Männlein steht im Walde

Als ich mich am 28. 12. aufmachte, um meine faulen Glieder etwas zu bewegen und um der Wampe nach den Weihnachtsfeiertagen zu Leibe zu rücken, marschierte ich von Bregenz über die Fluh Richtung Pfänder. Auf halbem Weg auf die Fluh waren laute Motorengeräusche mitten aus dem Wald zu hören. Als ich der Ursache nahe kam, traute ich meinen Augen zunächst nicht: Da stand ein Männlein im Laubwald und blies mit einem Profigerät eines Bezinmotor-betriebenen Laubbläser auf dem Rücken, das Laub vom Waldpfad in den Wald. Weil das lärmende und stinkende Gerät gar so ohrenbetäubend laut war, konnte ich das gar nicht stille und stumme Männlein nicht fragen, welcher Drümsle ihm den hirnrissigen Auftrag gegeben habe, in den Laubwald zu gehen, um dort Laub zu blasen. Ich hätte ihn auch gerne gefragt, ob er schon mal etwas vom Klimawandel gehört habe und ob er sich dermaßen nicht etwas für diesen erbärmlichen Schildbürger-Frevel an der Natur schäme. Die restliche Wanderung verlief für mich dann übrigens doch etwas anders, als vor der Begegung mit dem Laubbläser im Laubwald. Ich rechnete nämlich fest damit, dass nun wohl auch noch eine Kehrmaschine hinter mir angekarrt kommt, um den Schotter vom Schotterweg zu kehren.
 
 Edmund Nagel,

 Bregenz