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Nesseln, die Zweite

Es ist schon einige Wochen her, dass ich darüber geschrieben habe, wie ich mich in die Nesseln setzte. Sie erinnern sich? Es ging ums Rasen auf den Autobahnen. Ich habe mir erlaubt, mich kritisch über Tempo 140 (km/h) zu äußern. Und ich tue es immer noch. Die Umwelt, die Verkehrsbelastungsstatistik und der Stress, die alle davon betroffen sind, haben sich nämlich noch nicht bei mir gemeldet. Um mitzuteilen, dass ich falsch liege. Gemeldet hat sich vor einigen Tagen vielmehr ein Herr – er wollte anonym bleiben – um mir zu sagen, was für ein „Vollkoffer“ ich sei. Ob ich noch nie etwas von freier Fahrt gehört hätte. Und ob mir mein Vater nicht beigebracht hätte, dass Autos zum Fahren und nicht zum Schleichen da wären.

Leider konnte ich dem Herrn nicht persönlich antworten. Sie wissen schon: anonyme Nachricht und so. Dass es aber ein Herr ist, weiß ich. Er hat nämlich extra erwähnt, dass das Thema in seiner Männerrunde besprochen wurde. Die anderen wären übrigens auch seiner Meinung. Also lieber Herr: Von freier Fahrt habe ich auch schon gehört. Leider wird mir diese häufig durch Raser genommen. Zum Beispiel, wenn sie mich unsinniger Weise überholen und ich zum Abbremsen gezwungen bin. Und meinem Vater, einem besonnenen Gendarm, ging es beim Autofahren mehr ums sichere Ankommen, denn ums Wettrasen.

Und so entzieht es sich immer noch meinem Verständnis, warum der ehemalige Verkehrsminister so viel Applaus bekommt, weil er das Tempo auf den Autobahnen hinaufschrauben wollte. Gegen jede Logik übrigens. Vielleicht möchte der Herr Ex-Minister geruhen, einmal nach Kanada zu reisen und sich die dortige Situation anschauen? Die Höchstgeschwindigkeit beträgt dort meist 100 km/h. Und wissen Sie, was das Beste ist? Die Kanadier kommen auch von A nach B.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Kanada ist etwa 120 Mal größer als Österreich.


In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.