Kopfstücke

Gehen Sie!

Vor einiger Zeit während einer langen Autofahrt. Im Radio die Zusammenfassung eines Vortrages, der sich mit den Forschungen des amerikanischen Psychologen Walter Cannon beschäftigte. Es ging um die so genannte „Fight or Flight-Reaktion“. Übersetzt um die „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“. Gemeint ist damit eine rasche körperliche und seelische Anpassung von uns Lebewesen, wenn wir in Stresssituationen geraten. Weiter entwickelt hat diese Erkenntnis über das Phänomen, dass wir Menschen, aber auch viele Tiere in Gefahrensituation entweder ganz instinktiv angreifen oder flüchten, der Psychologe Jeffrey Alan Gray. Er hat die „Freeze-Phase“ dazu gefügt. Also das Erstarren bei Stress.

Und daher gibt es in Ausnahmesituationen drei häufige Muster: Entweder wir erstarren, wir flüchten oder wir kämpfen. Vielleicht erinnern Sie sich jetzt an Situationen, in denen Sie etwas davon angewendet haben? Erstarren. Flüchten. Kämpfen. Das ist jetzt der Befund. Im Radio ging es weiter. Da wurde auch über Möglichkeiten geredet, wie es uns gelingen kann, erst gar nicht in Stress zu geraten. Erinnern Sie sich an die Aktion gegen Gewalt an Kindern, die heuer im Frühjahr überall zu sehen war? Da kam ein Vater zu Wort, der, bevor er nach Hause ging, zuerst einen Spaziergang machte. Das hat ihn beruhigt und ihm geholfen, seine Gewaltbereitschaft zu reduzieren. Und genau das ist es. Gehen hilft. Versuchen Sie es einmal. Gehen Sie, anstatt zu schreien oder auszurasten. Was meinen Sie, warum es in Klöstern die Kreuzgänge gibt? Meist sind es überdachte und gewölbte Bogengänge, in denen sich die Bewohner der Klöster bewegten. Klar, um zu beten. Ich bin aber sicher, auch um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Die Erbauer der Klosteranlagen haben schon gewusst, dass das Klosterleben nicht nur ein Honigschlecken ist.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Machen Sie es wie ein Klosterbruder oder eine Klosterschwester. Gehen Sie. Es muss nicht immer im Kreuzgang sein.

In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.