Kopfstücke

Influencer

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Wenn ich den Begriff „Influencer“ höre, beschleicht mich ein unbehagliches Gefühl. Vielleicht liegt es daran, dass mir statt dieses englischen Begriffs ganz automatisch ein sehr verwandtes, aus dem Italienischen entlehntes Wort, in den Sinn kommt. Influenza. Wird ähnlich ausgesprochen. Und meint auch Ähnliches. Bei beiden geht es darum, Einfluss zu nehmen. Während die Menschen bei der Influenza früher glaubten, sie würde unter dem Einfluss der Gestirne verursacht, schrieb man sie später der Kälte zu. Und heute nennen wir so die „echte“ Grippe, verursacht durch das Influenza-Virus.

Aber was macht es, dass dem Kopf bei beiden Begriffen unbehaglich wird? Vielleicht weil beide wie ein Virus wirken? Bei der Influenza sind wir uns einig. Die will keiner von uns. Abgesehen vielleicht von der Pharmaindustrie. Aber bei den Influencern? Ich glaube, weil dahinter eine Art der Werbung steht, die mir nicht sympathisch ist. Klar, wenn ich mir gerade überlege ein neues Fahrrad zu kaufen und ein guter Freund schwärmt mir von seinem vor, dann beeinflusst mich das. Und meine Kaufentscheidung hat viel mit seiner Meinung zu tun. Das war immer schon so. Und ich erinnere mich auch nur zu gut – das ist ein Vorteil des Alters – an den Siegeszug, den weiße Tennissocken in allen Schuhen angetreten hatten. Auch ein Werk von frühen Influencern. Wenn aber heute ganze Trupps von Influencern auf dem Markt sind, mit dem einzigen Ziel, Dinge anzupreisen, welche die Menschen nicht brauchen, dann fällt mir schnell die echte Grippe ein. Übrig wie ein Kropf, lästig und außerdem sauteuer.

Dass sich immer mehr Firmen, Hotels und Gasthäuser weigern, den selbst ernannten Influencern ihre Waren und Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung zu stellen, freut mich sehr.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Falls Sie von einer Impfung gegen die Influencer hören, dann lassen sie es mich wissen.

In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.