Der Volk nimmt frei

Seit ein paar Monaten fliegen winzige unsichtbare Kügelchen herum. Auf transparenten Stängelein, gespickt mit bunten Wärzchen tanzen sie und stieben in alle Richtungen. Hübsch. Dem Volke unsichtbar leuchten sie ins Elektronenmikroskop zum Fotoshooting. Die TV-Grafiker lassen sich begeistert infizieren und zeigen die hübschen Kleinen dem Volk hundertmal auf und ab im europaweiten TV-Corona-Kitsch-TV bis zum Wegklicken. Das aber gelingt nicht. Auf jedem Sender kommt das Covid19-Gequake. Es gibt nur eine Sicht: die pharmakalogische Staats­information. Der beste Impfstoff ist Ausschalten, besonders wenn die drei Staatsschauspieler Kurz, Kogl und Hammer als Leim, Zwirn und Kneipp aufmarschieren und frische Volksexerzitien zu Verhinderung des bösen Kometen verordnen. Lumpazivagabundus special. Der ORF wiederholt wiederholt. Im Zentrum: Die Wichtigmacher, Strudl (Wirrologe), Flop (Verwirtschaftler), Fludribus (Geldhändler, Banker) Strudl (Lebensmittler), dilettieren live. Man hält sich für Lebensretter, welch Zynismus!

Die Kügelchen sausen zum x-ten Mal um die böse Steilkurve und enden in der guten Flachkurve. Kitsch pur. „Es reicht“, sagt Anton und dreht ab. Es poltert! Fortuna, die Schicksalsfee erscheint. Hinter ihr aufgefädelt die Bleichgesichter der kleinkarierten VIP-Schickeria Vrrrlbrrrgs im Steckbriefformat. Ma hilft. Ergeben wie immer und überall waschen die VIPs der Zeitung, die sich für das Land hält, in Unschuld die Hände mit gleichlautenden Wortspenden, um dem Volk klar zu machen, dass jetzt alles EINS ist, dass jetzt alle EINIG sein müssen, jetzt kein Streit Platz hat (!), alle in EIN Meter Abstand hinter EINEM ZIEL stehen müssen, das da lautet: #VORARLBERG HÄLT ZUSAMMEN. Es hallert. Ray & Mick singen „Proho Vorarlberg“. Ist „halten“ nicht verboten? Und „zusammen“? Hust.

Die große Show geht ab. Der Volk tanzt „Social DistDancing“, Warzentanz aus China. KrisenberaterInnnen jonglieren Klorollen, ein Handwaschballett spritzt ab, die Polizei verteilt EINmeterstäbe, das ParlamEnd beschließt das Gassigehngesetz mit Spazierordung und Zusammenstehverbot. Der Finanzmister impft mit 38 Milliarden. ArlbergerInnen dürfen nicht mehr an die frische Luft. Endlich sind alle Grenzen zu, nicht nur die griechische, jubeln die Flüchtlingshasser. Der Volk wird in Wohnungen arrestiert und soll „Danke“ aus den Fenstern singen. Fernseh-Programme werden gleichgeschaltet. Der Volk ist längst in den sozialen Medien daheim. Quarantäne als kollektiv autoritäre Freiheitsberaubung? Was ist da im Gange? Ist das gefährlich oder lächerlich?

„Stirbst stirb. Lebst leb. Lebst stirbst. Stirbst lebst.“, murmelt der Baron. Cui bono? Da beginnt der Volk plötzlich Donner zu grollen. Die Fee Amorosa, Beschützerin der wahren Liebe, erscheint und sperrt alle Gasthäuser auf.

In „Neues vom Zanzenberg“ gibt W&W dem Gastkommentator Ulrich Gabriel Raum, seine persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Blog unter:
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