Schnaps und Brand

Wie so oft hat Österreich gegenüber den angrenzenden Nachbarländern Unterschiede in der Gesetzeslage. So auch zwischen Schnaps und Brand (Edelbrand). In den umliegenden Ländern kann nur gebrannt werden, wenn ein Brennrecht mit Gesetzesauflagen vorliegt. In Österreich kann jeder Bürger Maische diverser Obstsorten unter Auflagen mit Anmeldung beim Zollamt brennen. Ein Privatbrenner (Brennhafen, meist über OGV-Vereine oder eigener Hafen) wird in der Regel nur Edelbrand oder eventuell Geist (Früchte werden zuerst in Brand eingelegt und dann gebrannt) als Hausbrand produzieren. Genannt Abfindungsbrenner. Industrielle Brennbetriebe können jedoch unter dem Namen „Schnaps“ eine Mischung von Brand und Industriealkohol plus Aromastoffe herstellen. Es nennt sich Obstspirituose, und kann aus nur 30 Prozent Frucht-Destilaten (hundertprozentig), gemischt mit 70 Prozent Fremdalkohol verdünnt werden. Sie müssen gesetzlich als „Destilat“ oder „Spirituose“ auf dem Etikett gekennzeichnet sein. Ebenso dürfen Aromastoffe verwendet werden. Ein hundertprozentiger Brand kann nur einen guten Fruchtgeschmack erreichen, wenn die Maische aus vollreifen Früchten stammt. Ein so „übertriebener Fruchtgeschmack“ kann nur mit Hilfe von Aromastoffen erreicht werden. Der Preis­unterschied von „Brand oder Edelbrand“ kann bis über das Doppelte gegenüber „Schnaps“ ausmachen. Wer Alkohol und Aroma will, kauft Schnaps, der Kenner und Genießer kauft Brand oder Edelbrand.

 Oskar Piffer, Dornbirn

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