Glück oder Glück?

Vor Kurzem habe ich einem Philosophen im Radio zugehört. Er hat übers Glück geredet. Jetzt werden Sie sich vielleicht fragen: „Über welches denn?“ Über das Glück, das wir fühlen oder das Glück, das wir haben?

Wer lange genug lebt, der kennt sich mit beidem aus. Mit dem Glück, das er erlebt, wenn es ihm einfach gut geht. Wenn Familie, Beruf, Gesundheit im Lot sind. Verliebte wissen, was ich meine. Aber es gibt auch das Glück, das wir haben können. „Schwein gehabt“, könnte man auch dazu sagen. Wenn bei einem Sturm der Dachziegel den eigenen Kopf um ein paar Zentimeter verfehlt und neben uns auf die Straße kracht. Oder wenn mir beim aus dem Haus gehen noch einfällt, dass der Topf mit Wasser noch auf dem Herd vor sich hin kocht.

Im Englischen sind sie da genauer. Glück empfinden ist „happiness“. Sie wissen schon, verliebt sein, einen guten Job haben, eine intakte Familie. Glück haben trifft hingegen beim Ziegel zu, der neben mir herunterfällt. Das ist „luck“.

Jetzt will ich aber keine sprachliche Haarspalterei betreiben. Was ich uns allen wünsche ist Glück – in jeder Form. Sowohl in Beziehungen als auch bei fallenden Ziegeln.

Etwas hat unser Philosoph aber ganz deutlich betont. Glück ist in den wenigsten Fällen etwas, das ständig andauert. Oder kennen Sie Leute, die ewig verliebt sind? Das ist wohl die Ausnahme. Und auch der fallende Ziegel fällt nicht immer neben mir auf den Boden. Und es muss ja auch nicht immer ein Ziegel auf dem Kopf sein, den ich als Unglück erlebe. Da gibt es noch viele andere Möglichkeiten.

Darum habe ich dem Philosophen weiter zugehört. Und er hat über einen weiteren Begriff geredet, den er als Geheimnis des Glücks bezeichnet hat.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Es ist die Zufriedenheit. Sie hilft uns Glücksgefühle länger wirken zu lassen. Und soll sogar helfen Unglücksfälle besser zu verarbeiten.


In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.

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