Schwarz und Weiß

Vor vielen Jahren habe ich an dieser Stelle über John Hench geschrieben. Er war Zeichner bei Walt Disney und hat davon geschwärmt, dass es unzählige Schattierungen und Abwandlungen der Farbe Weiß gibt. Wenn ich mich recht erinnere, dann hat er von mehr als 200 gesprochen. John Hench war demnach keiner, der die Welt in „Schwarz und Weiß“ einteilen musste. Ganz im Gegenteil. Vermutlich hätte er bei einer solchen Kategorisierung zweifelnd gefragt, welches Weiß denn nun gemeint wäre.

Und was machen wir heute? Wir tun es mehr denn je. Möglichst alles in einen Kasten zwängen. Entweder in den schwarzen oder in den weißen. Je nach Belieben, Weltanschauung, Lehrmeinung oder Twitter-Meldung, die wir gerade gelesen haben. Das ist schade. Und wird uns Menschen in keiner Weise gerecht. Ganz im Gegenteil. Wir aber meinen mit solchen Einteilungen würden wir uns leichter tun. So nach dem Motto der Ziffernnoten. Gut, da gibt es immerhin fünf Abstufungen – in meiner Jugend sogar eine sechste. 4E hieß diese und bedeutete einen Vierer mit Ermahnung. Da hat der Fünferhut dann schon gebrannt und man durfte sich nicht mehr viele schlechte Noten vor dem Zeugnis erlauben.

Ob wir mit den Noten 1 – 5 aber der Person des Kindes und des Jugendlichen gerecht werden? Ob wir mit schwarz und weiß die Probleme, die es gibt, lösen können? Ob uns solche Positionen in einem guten Zusammenleben wirklich nützen? Ob es uns wirklich besser geht, wenn wir uns wie die Cowboys im Wilden Westen zum Showdown mit zu zückenden Colts auf der Hauptstraße treffen? Oder ob es nicht besser wäre in unseren zwischenmenschlichen Kontakten mehr Schattierungen, Buntheit und Abweichung von der Norm zuzulassen?

Und im Übrigen haben Sie Recht: Auch, wenn es mathematisch falsch ist. Fünf auch einmal grad sein zu lassen hilft uns und unserem Zusammenleben. Sehr.



In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.

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