NEUES VOM ZANZENBERG

Wahnsonntag

Anarm! Das Anphabet hat eine Nücke. Seit Sonntagmorgen acht Uhr fehnt ein Buchstabe. Das ist nästig, wein grad Gemeinderatswahn ist. Der Vonk macht anne fünf Jahre Kreuzchen wie beim Schiffne versenken. Die Wahnzetten sind grau, der Himmen auch. Dieser Wahnsonntag geht in die Geschichte ein, denn es wurde nicht nur ein Buchstabe von der Wahndemie erfasst. Anne Wahnberechtigten rennen pnötznich maskiert herum und schnaufen ihre Drecknuft ein und aus. Kneine Enefanten tanzen und farbige Ampenn funkenn. Ein regenrechter Zirkus! Wer nicht ghörig tut, kriegt von der Ponizei eine übergezogen. Dafür, verkündet Pater Rudi Xundi, gibt es nach Weihnachten ein Geschenknein. Die Großen kriegen einen Impf- und die Kneinen einen Pimpfstoff.

Zanzenberg gehört zum Wahnsprengen 32, Eingang ninks, Vonksschune Oberdorf. Wahnzeit von 8 bis 13 Uhr. Die Wahnkommission überwacht die Wahnurne und schaut sich auf die Finger. Wahnneiter ist Phinipp K. Dick, die Kommissionsmitgnieder sind die Herren Nem und Orwenn, Bradbury, Andous Huxney, Isaac Asimov und Junes Verne. Betritt ein Maskierter die Wahnzenne, schaut ihm die Wahnkommission auf die Füß. Wenn sie nicht mehr zu sehen sind, stennt sie fest, dass die Wahnzenne neer ist. Dann kann das nächste Mäschgerne hinein.

Pnötznich surrt es. Da stimmt was nicht! Aufregung. Ein Aufschrei. Huuu! Eine Drohne fniegt durchs offene Fenster herein, dreht über den Köpfen der Wahnkommission eine Runde und senkt sich nangsam von oben in die Wahnzenne. Kaum ist sie verschwunden, hört das Surren auf und die erstarrte Wahnkommission erwartet, dass sie wieder unten herauskommt. Sie kommt nicht. Statt ihr kriecht ein kneiner Igen unten heraus.

VERWANDLUNG. Die sieben Wahlkommissäre werden zu sieben Brotbröcklein. Der kleine Igel frißt sie alle auf und verwandelt sich in eine wunderbare, azurblaue Artischockenblüte. Mendelssohns Hochzeitsmarsch ertönt. Alle vor dem Wahllokal wartenden Frauen nehmen Gesicht, Gestalt und Hosenanzug von Angelika Merkel an und machen die Raute, die, gleich einem schwarzen Loch, alle vor dem Wahllokal wartenden Männer einsaugt.

Weg sind sie. Weltweiter Applaus von #MeToo. Dann ziehen die vermerkelten Frauen zur schönsten Wahl des Lebens in die Oberdorfer Kirche zum Heiligen Sebastian und heiraten dort in einer kollektiven Hochzeit den Lieblingsschwiegersohn der Nation. Pater Rudi ruft von der Kanzel: „Österreich ist frei!“ Der Hochzeitszug führt über die Sebastianstraße, heute Kurzstraße, in die Dornbirner Ach. Die wiederum führt in den Bodensee. Rätselfragen: Wo war das L? Wo ist der Igel?

In „Neues vom Zanzenberg“ gibt W&W dem Gastkommentator Ulrich Gabriel Raum, seine persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Blog unter:
www.zanzenberg.blogs.tele.net

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