Geburt: Schutz, Raum und Zeit

Geburt braucht einen geschützten Raum und Zeit. Ich habe kürzlich den Vortrag „Machbarkeit und Mutterglück: Zur medialen Darstellung von Geburt“ von Dr.in Dorothea Rüb besucht, der mich sehr beeindruckt hat. Wie kann es sein, dass das Wunder Geburt in Filmen in unserer sexuell aufgeklärten Welt noch immer realitätsfern dargestellt wird und in Medien meist nur als gefährlich und schmerzhaft? Geburt kann auch kraftvoll und beglückend sein, wenn man die dafür nötigen Rahmenbedingungen vorfindet. Ich möchte der IG Geburtskultur danken, dass sie sich diesem wichtigen Thema annimmt, denn es ist nicht egal, wie Mütter und Väter die Geburt ihrer Kinder erleben. Ich begrüße es sehr, dass sich die IG Geburtskultur dafür einsetzt, dass es in Vorarlberg wieder eine Wahlmöglichkeit zwischen Krankenhaus und Geburtshaus geben soll. Ganz besonders wichtig finde ich, dass dem Wunder Geburt gesellschaftlich mehr Bedeutung beigemessen wird. Auch die GeburtshelferInnen benötigen Raum und Zeit für ihre wertvolle und verantwortungsvolle Arbeit. Am Ende einer Geburt zählt nicht nur, ob Mutter und Kind „wohlauf“ sind. Es zählt auch, wie Mutter, Vater und Kind dieses prägende Ereignis erlebt haben und wie die erste Zeit mit dem neuen Familienmitglied verbracht werden durfte. Berichte von Gebärenden, dass sie während der ersten akuten Corona-Zeit Wehen mit Mund-Nasen-Schutz veratmen mussten und der werdende Vater aus dem Kreißsaal ausgeschlossen wurde, erschüttern mich. Daran kann man meiner Meinung nach deutlich erkennen, dass der Naturgewalt Geburt in unserer Gesellschaft noch zu wenig Bedeutung zukommt.  

 Angela Schmid,

 Dornbirn