Helikoptereltern

Nur keine Langeweile oder keine Gefahr für mein Kind! Nur das Beste für es! Das ist offenbar die heutige Devise. Im Schmutz spielen? Fehlanzeige. Mit Schrunden nach Hause kommen? Auf keinen Fall. Zeit außerhalb der Beobachtung der Eltern verbringen? Um Gottes Willen. Ein Tag ohne genaue Planung? Nicht aushaltbar.

Alles, was pädagogisch offenbar nicht „wertvoll“ ist, wird aus dem Weg geräumt. Klingt auf den ersten Blick nach großer Fürsorge. Ist aber auf längere Sicht fatal und vor allem für die betroffenen Kinder mehr als gefährlich. Weil es mittlerweile sogar schon Eltern geben soll, die ihre Kinder bis hinein in die Universität begleiten und am besten gleich die erste Vorlesung mitbesuchen. Man kann ja nie wissen.

In den 1970er-Jahren gingen noch 90 Prozent der Kinder allein und zu Fuß in die Schule. Heute wird jedes fünfte Kind vom Elterntaxis vor den Schuleingang gebracht. Und natürlich dort wieder abgeholt. Ich kenne das aus eigener Beobachtung von der Schule in unserer Nachbarschaft. Dort ist ein Kreisverkehr, der fürs Radtraining der Volksschüler auf den Schulplatz gemalt wurde. Jetzt tut er gute Dienste für reibungslose Zu- und Abfahrten der zahlreichen Elternfahrten. Überwacht natürlich von der Polizei.

Was ich in diesem Zusammenhang auch gelernt habe ist eine Typisierung der Helikoptereltern. Es gibt die im Rettungshubschrauber. Der ist immer zur Stelle, wenn dem Kind etwas fehlt. Ein anderes Kind schaut das eigene schief an, der Turnbeutel wurde daheim vergessen. Sofort geht’s los. Der Transport­hubschrauber hat immer Vorrang. Gleichgültig ob auf Schuleinfahrten oder für die Feuerwehr gesperrten Zufahrten. Der Kampfhubschrauber beschwert sich über alles, wo dem Kind echtes oder vermeintliches Unrecht widerfahren könnte. Noten, Sitzordnung, Essen oder Lehrpläne gehören dazu.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Ganz schlimm sind die Hubschrauberstaffeln. Und ganz gut wäre es, die Hubschrauber einmal zum Service zu bringen. Und deren Piloten zum Persönlichkeitscheck. Odr?

In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.