Run aufs Gymnasium

Für Schulinsider*innen ist es nicht überraschend, dass der Run auf die Gymnasien (AHS) ungebrochen ist und die Mittelschulen (MS) dadurch ausgehöhlt werden. Das liegt ganz sicher nicht an der besseren Pädagogik an den AHS. Der Hauptgrund ist für mich im besseren Renommee des Gymnasiums in unserer Gesellschaft zu suchen. Das ist im höchsten Maße irrational und ungerecht, denn die Volks- und Mittelschullehrer*innen sind durch die Unterschiedlichkeit ihrer Schüler*innen bei Weitem mehr gefordert als AHS-Lehrer*innen. Diese können sich ihre Schüler*innen sozusagen aussuchen. Diese Auslese beginnt mit dem Semesterzeugnis der 4. Klasse Volksschule und endet damit, dass „schlechte“ Schüler*innen jederzeit in die Mittelschule abgeschoben werden können. Zudem wechselt nach der 4. Klasse AHS mehr als die Hälfte ohnehin in eine andere Schulform, was nicht unbedingt für die Gymnasium-Langform spricht. Diese frühe Trennung der Schüler*innen in AHS- und MS-Reife ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass unser Schulsystem seit Jahrzehnten nach gesellschaftlicher Herkunft selektiert. Jede Studie zeigt auf, dass höherer Bildung hauptsächlich Kindern bildungsnaher Elternhäuser vorbehalten ist. Das ist für mich untragbar und vergleichbar mit einer Bildungsepidemie, deren Virus der sozialen Selektion von türkis-schwarzen Politiker*innen seit jeher gehegt und gepflegt wird. Leider gibt es dagegen keine Impfung. Deshalb sind die Langzeitschäden unermesslich.

Prof. Mag. Peter Fischer,
Sprecher der ARGE Gemeinsame Schule, Rankweil

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