Transzendieren

Gestern war wieder so ein Tag. Heut ist schon wieder so ein Tag. Auch vorgestern war gestern. Sind alle Tage gestern? Im ORF-TV war gestern Serie: Regirrungs-TV. Schlechte Schauspieler, gut honorierte Männer. Seit einem Jahr läuft immer dasselbe Programm. Hinter Plexiglas wird angesagt, dass demnächst angesagt wird, wie der zu 99 Prozent gesunde Volk laut Regirrung die 80-Jährigen zu schützen hat. Leben retten heißt in der neuen Demokratie: Mitarbeiten am Schaden! Zuhause hocken und die unter Strafe angeordneten Unterwerfungen widerspruchslos einhalten, deren Folge eine Staats- und Wirtschaftspleite mit schwersten Kollateralschäden ist. Unverständnis bleibt das Wesen der ertesteten Pandämonie. Regirrungs Werk und Teufels Beitrag. Im Volk kommt überhaupt kaum jemand mit außer den RegirrungsparteigänglerInnen. Drum bleiben alle dort, wohin sie zwangsversetzt wurden: vor dem Fernseher.

Das ORF-Regirrungs-TV hab ich gleich weggezippt, das Haus zu verlassen ist mir leider verboten, weil ab acht draußen die Viren herumfliegen. Dem gezüchteten Angsthasen Volk geht inzwischen so der Reis vor dem Regime, dass er sich durchspritzen, abstempeln und willenlos einsperren lässt. Viele würden sich sogar den kleinen Finger abhauen lassen, damit sie nach Mallorca fliegen können. „S’Volk ischt halt blöd, do ka ma nix macha“ 1). Was ist da gut daran?

Gut daran ist vor allem, dass man ja selbst nicht dazugehört. Gut ist, dass man eh alles rasch vergisst. Gut ist, dass man sich irgendwann dann doch an alles gewöhnt, sogar an vier Finger, sagt sich der brave Volk. Das Alte Testament sagt: Für alles ist eine Zeit. Eine Zeit fürs Träumen, eine Zeit fürs Denken, eine Zeit fürs Verblöden. Jetzt ist grad Zeit fürs Verblöden. TV. Österreich verklingt mit Sepp Forcher, Millionenspiel bleibt A.A.. Universum? Alle Folgen zweimal gesehen. ZIB zap.

Da findet sich in den gruseligen TV-Kanälen doch noch ein Science Fiction Film von 2014: „Transcendence“ mit Johnny Depp auf ATV. Fernsehen auf Privatsendern heißt heute Austritts-, Getränke-, Klo-, oder Handy-Fernsehen. Erscheint das Wort WERBUNG, schalt ich z.B. den Ton weg und google, z.B. was „transzendieren“ bedeutet. Es heißt, „die Grenzen eines Bereichs überschreiten“.

Ich gehe drum gerne auf die Demo, auch weil ich da unter die Leute komme und an die frische Luft, obwohl auch die frische Demo-Luft von der Regirrung verboten wurde. Das „Land der Nehämmer zukunftsreich“ stellt mich unter die gesundheitsschädliche Sondermüllmaske. Richtig rechtsextrem ist das, nicht wahr? Die Demo bleibt dennoch ein willkommenes Flashback der Sonntagsmesse. Statt singen, schrei ich im Chor: „Friede, Freiheit, keine Diktatur!“ wohl fünfzigmal. Schreien ist gesund, zwerchfellgestützt, hab ich im Gesangsunterreicht gelernt.

1) Zit aus Bilgeri/Köhlmeier: „Oho Vorarlberg“
In „Neues vom Zanzenberg“ gibt W&W dem Gastkommentator Ulrich Gabriel Raum, seine persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Blog unter:
www.zanzenberg.blogs.tele.net

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