Femizide

Man würde nicht damit fertig, die Verrenkungen der „Politischen Korrektheit“ zurecht zu biegen. Österreich verdankt die auffallende Statistik, die mehr ermordete Frauen als Männer aufweist, dem glücklichen Umstand, dass die Gesamtzahl der Morde sehr niedrig ist. Die Anzahl an Frauenmorden liegt, traurig genug, im europäischen Mittelfeld. Von Beziehungskonflikten mit tödlichem Ausgang zu sprechen sei verharmlosend, heißt es in den „korrekten“ Interpretationsrichtlinien. Man müsse betonen, dass die Täter Männer seien, „die Frauen töten, weil sie Frauen sind“. Diese lapidare Definition für den Begriff „Femizid“ steht einer differenzierten Ursachenanalyse im Wege. Es gibt sehr wohl Tötungen, die nicht aus genereller Frauenverachtung geschehen, und ein vages „Patriarchat“ ist weder alleinverantwortlich noch aussagekräftig. Dort, wo aber am ehesten wirklich archaische Besitzvorstellungen gegenüber Frauen herrschen, wird es als unstatthaft oder ausländerfeindlich hingestellt, auf den kulturellen Hintergrund der Täter zu verweisen. Auch die Verfechterinnen des Slogans „Ohne Geschlechtergerechtigkeit gibt es keine Gewaltfreiheit“ sehen das Gesamtproblem durch ihre illusorisch ideologische Brille. Es trifft sicher zu, dass die Geschlechterrolle Konfliktpotential birgt, aber auch diesbezüglich darf erhoben werden, welche Tätergruppe vorrangig zum Messer greift. Mit einer so verstümmelten Täter- und Motiverhebung hat eine ohnehin äußerst schwierige Prävention keine guten Karten.

 Gerald Grahammer, Lustenau

Ihre Meinung ist gefragt:
leserbriefe@wannundwo.at

Wann & Wo | template