Der Sprung

Es kommt selten vor, dass zwei Barone zusammentreffen. So geschehen vor ein paar hundertausend Tagen oder war es gerade heute? Der Volk schien lange ruhig gestellt, weil er bis zum Ende der letzten Eiszeit von Gletschern bedeckt war. Nach der großen ­Eisschmelze blieben Sumpfgebiete, die in den folgenden Jahrtausenden wieder aufgeschüttet ­wurden und der Volk kroch hervor. Unterm ­Zanzenberg hatte sich ein großer Morast gebildet, den zu überwinden unmöglich erschien. Knochenreste am Fuße des ­Kummenbergs zeigten, dass in der ­Steinzeit etliche Feuersteins im Sumpf gescheitert waren.

Wieder einmal nahm einer Anlauf, um mit einem mächtigen Sprung zu Pferd vom Pfänder zum Zanzenberg überzusetzen. Da die Welt von Plotikeri und ihren Wasserträgern belogen wurde wie noch niemals zuvor, hatte der Baron von Zanzenberg ­seinen Freund Karl ­Friedrich eingeladen, um die große Umkehr zu starten: mit dem 1. Olympischen Weltlügenwirtschaftsforum. Als Markenzeichen für Lügen-, Betrugs- und ­Geldscheffelsport zierten fünf olympische Nasenringe das Forum. Der logolügische Ansatz: Ist alles verlogen, kann die Lüge nur durch größere Lüge übertroffen werden. Neustart der weltweiten Lügenkonkurrenz im Lügenwettbewerb: Ankurbelung des globalen Lügenwachstums! Leistung lügt nachhaltig! Der große Neustart „The great Reset“ wird von Kurt Schwaf mit seinem Lügenschwabel eröffnet: Die Verbesserung des Lügenkapitalismus. Wir sind so. Mit der ­Einladung von Karl ­Friedrich ­Hieronimus, Baron von Münchhausen gelang dem Baron von Zanzenberg ein großartiger künstlerischer Paukenschlag. Leider hatte sich der mit Trägheit und Vergesslichkeit verseuchte Volk mehrheitlich damit abgefunden, im Lügenmorast sein Dasein zu fristen, zu fressen und zu konsumisten, solange er mit primitivstem geistlosen Fleisch angefuttert wird, wie es tagtäglich von den ­Steinzeitmedien, ­Touristdickern und ­Ablebensmittlern vorgekaut und hergelogen wird.

Endlich traf der Baron ein. Noch verschmutzt vom großen Sprung schilderte er den Lügenmedien den Grund seiner Verspätung: „Der Morast kam mir anfänglich nicht so breit vor, als ich ihn fand, da ich mitten im Sprunge war. Schwebend in der Luft wendete ich daher wieder um, wo ich hergekommen war, um einen größeren Anlauf zu ­nehmen. Gleichwohl sprang ich auch zum zweiten Male noch zu kurz und fiel nicht weit vom andern Ufer bis an den Hals in den Morast. Hier hätte ich unfehlbar umkommen müssen, wenn nicht die Stärke meines eigenen Armes mich an meinem eigenen ­Haarzopfe, samt dem Pferde, welches ich fest zwischen ­meine Knie schloss, wieder ­herausgezogen ­hätte.“ Dass er mit dieser ­Lügengeschichte einen großartigen Schlüssel zur Krisenbewältigung geliefert hatte, begriffen Volk und Plotikeri bis heute leider nicht, sondern hielten es für eine Kindergeschichte.

In „Neues vom Zanzenberg“ gibt W&W dem Gastkommentator Ulrich Gabriel Raum, seine persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Blog unter: www.zanzenberg.blogs.tele.net

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