NEUES VOM ZANZENBERG

Che casino!

Rufen die Italiener­Innen lautstark aus, wenn sie sich beschweren, sich Luft machen. „Was für ein Chaos!“, heißt das und großes Geschimpf folgt darauf. Die persönliche Stimme gibt dem Groll das Unbehagen: Stimmgebung, VerLAUTbarung als wilde Sprachlosigkeit, Gegenteil des Gesangs. Schreien eigentlich die Unsrigen, wenn ihnen was nicht passt? Oder ist das nur bei den Azzurris so? Sind die Östderischen still?

Zum Beispiel die ­BregenzerInnen? Die OberstädtlerInnen? Die VorklöstnerInnen? Was schreien die Feldkircher­Innen, wie zörnelen die LustenauerInnen, wenn es ihnen nicht passt? Was lärmen die Bludenzer­Innen, was schimpfen die HohenemserInnen, die WalgauerInnen, die Wälder­Innen, was donnern die Montafoner­Innen, wie schnauzen Walsertaler­Innen, wenn sie sauer sind? Oder ­halten sie hier immer die Goschn?

Was wettern die RanklerInnen, Koblacher­Innen, HarderInnen, HörbranzerInnen? Oder ziehen die immer brav eine Maske übers Maul? Wann regen sich die DornbirnerInnen laut auf? Wie teifeln die Watzen­eggerInnen, was keifen die Fischbächler­Innen, die HatlerInnen, wann werden Bohnen­mäderInnen laut, wüten die HaselstauderInnen, was porsten die SchwefelerInnen, was rohrbächeln die Foracher­Innen? Oder sind die alle TOTchic?

Was ruft der Volk, wenn es ihm reicht? Schreit der Volk noch auf, wenn man ihn sticht? Oder seinen Nachbarn? Ist er wehleidig, heult er? Beschwert er sich noch? Regt er sich noch auf oder lässt er sich alles gefallen? Lässt er sich sogar Gewalt antun? Hat er sich schon an Nadelstiche gewöhnt? Nimmt er alles hin, um bloß nicht aufzufallen? Wurde ihm Aufregen ausdemokraturisiert? Lässt er sich jeden Bären aufbinden, jeden Schmarren erzählen, jeden Topfen verkaufen? Kann man aus Mücken vor ihm jederzeit Elefäntlein machen? Nimmt er folgsam zwei statt keins im Laden, lässt er sich jeden Abstand diktieren, jede Gefahr einreden, jede Angst einjagen, sich in jede Richtung lenken, jeden Stofffetzen umbinden, jede Maske aufsetzen? Lässt er sich jederzeit einsperren? Lässt er sich locker vor den Karren spannen? Hat der Volk hierzuländle noch Farbe oder ist er bereits schwarz erblindet? Lässt er sich auf jede Alp treiben? Lässt er sich jederzeit das Maul verbieten? An jeden Ort versetzen? Aus seinem Haus verjagen? Aus der Heimat? Lässt er sich zusammenbrüllen? Lässt er sich das Grüßen verbieten, sogar das Händeschütteln? Lässt er sich angewöhnen statt der Hand die Faust zu geben? Kann man überhaupt so gestört sein? Kann man ein ganzes Volk komplett abhängig machen, sogar von Klorollen? Ist es möglich, die Mehrheit mit notverordneter Schnell­impfe durchzuspritzen? Sogar Volkes Kinder? Einmal? Zweimal? Dreimal? Wer will das? Warum? Frag ich, weil Sonntag ist.

In „Neues vom Zanzenberg“ gibt W&W dem Gastkommentator Ulrich Gabriel Raum, seine persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Blog unter: www.zanzenberg.blogs.tele.net

Wann & Wo | template