Braver Geimpfter

Vor einigen Wochen prophezeiten mir „Experten“ eine Pandemie der Ungeimpften. Jetzt droht eine Welle der Geimpften.

Virologe Drosten sagte im August, dass eine dritte Impfung nicht notwendig sei. Die Schutzwirkung der großartigen Corona-Impfstoffe sei viel besser als bei anderen Impfungen. Gefälligkeitswissenschaftler und Politiker plapperten das nach. Die Pandemie sei beendet. Statt zuzugeben, dass sie versagt hat, schürt die spaltende Rhetorik der Politik das Klima des Misstrauens. Plan A war der Lockdown, Plan B die Impfung, Plan C wird vielleicht die Durchseuchung sein. Als Geimpfter besuchte ich 2G-Partys und war bei 3-G-Veranstaltungen eine Gefahr für die Ungeimpften. Ich bin zwar Virenschleuderer, habe aber einen Top-Impfstoff verabreicht bekommen. Der Bundeskanzler bezeichnet mich als „braven Geimpften“. Setzt sich denn meine Gesundheit aus der Abwesenheit von Keimen zusammen? Oder aus dem Gefühl „ich werde akzeptiert wie ich bin“, zusammen mit einem Lachen, das ich mit Freunden teile, aus Bewegung und gesund essen?

Trotz allem Durcheinander: Wenn man sich künftig alle sechs Monate impfen lässt, dann kann ich ja Aktien der Pharmaindustrie kaufen.

Oder soll ich als Kritiker von Kinderimpfungen traurig sein? Weil die Kleinen nicht so sehr unter einer Coronainfektion leiden, sondern am meisten unter der Corona-Politik.

 Roland Geiger, Buch

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