Nur eine Frage der Schuld

„In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen, Idioten suchen nach Schuldigen.“ Wer auch immer diesen Satz geprägt hat, spricht nicht nur mir aus der Seele. Seit fast zwei Jahren schiebt man die Schuld an der aktuellen Situation hin und her. Zuerst war der Fledermausverkäufer in China verantwortlich, dann waren es die Touristiker in Ischgl, später die Urlaubsrückkehrer und jetzt die Ungeimpften. Niemals wurde eruiert, ob die verordneten Maßnahmen auch sinnvoll und wirksam waren. Man sperrte Österreich zu und wartete voller Hoffnung auf einen Game-Changer. Doch der Game-Changer war schnell „Game Over“ und die Wunderwaffe „Dritte Stich“ soll die Wende bringen. Doch die Politik hatte bereits zu viel versprochen, zu wenig gehalten und den Sommer erneut verschlafen. Die Bürger waren enttäuscht, weshalb die Sprache gegenüber den Menschen härter wurde: Zügel wurden gestrafft, Daumenschrauben angelegt und Ungeimpfte wurden öffentlich als Todesengel bezeichnet. Seit rund drei Wochen gilt nun 3G am Arbeitsplatz und die Ungeimpften sind im Quasi-Lockdown. Geändert hat es am bisherigen Infektionsgeschehen nichts. Lediglich die Spaltung hat es weiter befeuert. Anstatt einen Strategie-Wechsel anzudenken, andere Berater heranzuziehen und neue Lösungen zu finden, werden wieder dieselben Fehler gemacht – wie in den vergangenen zwei Jahren. Seit vergangener Woche befinden sich wieder alle gleichermaßen im Lockdown. Wem kann man hierfür wieder die Schuld geben?

 Pierre Mitternöckler,

 Sulz

Artikel 89 von 96
Wann & Wo | template