Glosse zum Gendern

Saßen unlängst ein Genderer-Tüpfler und eine Genderin-Emanzin auf dem Bank vor dem Sprachuni und berieten, wie maner/mansie/manersie (gibt auch Diverses) das Sprache geschlechterkonform korrekt auf männlich, weiblich und divers sortieren könnte. Wenn schon gendern, dann gründlich: Binnen-I, Sternchen, das Unterstrich reichen nicht für das Klarsprache. Jedes Begriff oder Fürwort kriegt der/die/derdie Geschlecht, der/die/derdie ihm zusteht. Sagt der kompetente Genderer-Männlein: Gestern war icher beim Frisörer, aber da kam eine Frisörin (oder war sieer eineine Frisörerin, icher konnte das in dem Eile nicht feststellen), nahm das Schere und das Kamm und machte mirihm das Frisur. Sagt die Genderin-Weiblein: Derdiedas Mohrenkopf muss endlich weg, wirersiees setzen ein Weißwurst drauf, das Gerstensaft fließt dann noch schneller. Ichsie muss aber noch schnell zumzur Bäcker/Bäckerin/Bäckeriner, um ein Semmel zu holen. Da lief aber gerade ein Maus oder eine Mausin (sie konnte in dem Eile …) über das Weg, da erschrak sie so heftig, dass sie das Genderei vergaß und schrie: Maus, aus dem Weg, ich muss zum Bäcker! Trotzdem wusste jederjede, wohin sie wollte. Icher dachte: Wie schade um das sinnige, klare Gendersprech, jedes plumpe Wortkram wird doch damit zu einem wundervollen Poesie. (Nachsatz: Ich schätze eher eine unausgegoren gewachsene Sprache als eine gewaltsam verballhornte.)

 Josef Sohler, Lustenau

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