Der alte Jäger war einmal

Jetzt sind sie also da. Die neue Generation an Jagdpächtern. Jung, smart, neureich, schuss- und vor allem mediengeil. Über alle Gesetze hinweg wird im Schutzgebiet Kanisfluh eine Steingeiß erlegt, das Ganze als lebensgefährliches Abenteuer in den sozialen Medien inszeniert. Als Sahnehäubchen werden die tote Geiß und die mit dem Leben gerade noch davongekommenen Jagdherrn samt Kameramann per Helikopter aus der Todeszone (ehemals barfuß bewirtschaftete Bergwiesen unserer Vorfahren) ins Tal geflogen. Dort werden die Todesmutigen vom Jagdverpächter freudig empfangen. Ob die Freude über das Überleben der tapferen Waidmänner oder das Klingeln der Vorsäßkasse größer war, weiß man nicht.

Im Tal ist die Aufregung groß. Tatsache ist jedoch, dass von Jagdbehörden und Waldverein immer mehr Druck ausgeübt wird, Jagden an Pächter zu vergeben, die bereit sind, Abschusszahlen unter allen Umständen zu erfüllen. Jagd­ethik ist bei diesen Institutionen ein Wort aus einer vergangenen Zeit. Vor allem von heimischen Berufsjägern hört man immer mehr, dass sie die Freude an ihrem Beruf verlieren. Ein solcher war es, der diese Aktion (leider vergeblich) zu verhindern versuchte und daraufhin kündigte – Respekt!

Die Aktion an der Kanisfluh ist vor allem das Resultat der Vorarlberger Jagd-bzw. Forstpolitik!

  Albert Hager, Mellau