Wieder ein bisschen mehr „analog“…

Ich reiste kürzlich nach Malaga und benutzte dafür Flugzeug, Bus, Zug, S-Bahn etc. 90 Prozent aller ­Mitreisenden starrten in das „magische Kästchen“ und bekamen von ihrem Umfeld überhaupt nichts mit. Das betrifft auch die Touristen beim „Sight-Seeing“: Da wird permanent digital mit „zuhause“ kommuniziert (warum fahren denn die Leute überhaupt anderswo hin?) oder pausenlos „Selfies“ und Fotos gemacht, teilweise an den unmöglichsten Stellen, um anderen den Weg zu versperren. Das Wesentliche, nämlich in fremden Ländern neue Eindrücke zu gewinnen, verpufft völlig. Und genau deshalb hat man nach dem Trip das Gefühl, als wäre alles nur ein Film gewesen. Und das ist auch so. Zuhause schaut dann niemand mehr die Flut an Fotos an, da es erstens viel zu viele und diese zweitens schon gar nicht mehr „aktuell“ sind.

Eine weitere Unart ist es, dass nur getippt oder Audio-Nachrichten via App versendet werden. Unlängst verärgerte ich eine gute Freundin dadurch, als ich ihr mitteilte, dass ich mir am Geburtstag keine Audio-Message wünsche, sondern einen ganz banalen kurzen Telefonanruf. Sie war beleidigt, weil ich mich nicht für die Audio-Message bedankte … Ich gratuliere uns allen! Wir begreifen nicht mehr, dass ein Telefon­anruf bzw. ein persönliches Gespräch unersetzbar ist und echte Empathie ermöglicht.

Christian Salzmann,
Dornbirn