Aus Montafoner Holz geschnitzt

Victor Mangeng in seinem Element. Der kreative Montafoner lebt und atmet Kunst.  Fotos: Sams

Victor Mangeng in seinem Element. Der kreative Montafoner lebt und atmet Kunst.  Fotos: Sams

WANN & WO besuchte den charismatischen Bildhauer Victor Mangeng (27) in seiner Werkstatt in Schruns.

Beim Betreten des von Licht durchfluteten Ateliers in einem umgebauten alten Montafoner Stallgebäude liegt der althergebrachte Geruch von frisch verarbeitetem Holz in der Luft. Mit seinem progressiven Kunstbegriff manifestiert Bildhauer Victor Mangeng die Tradition der Holzschnitzerei in modernen, surrealen und einzigartigen Skulpturen und haucht diesen und einem Jahrhunderte alten Handwerk neues Leben ein. Inmitten von verschiedenen Plastiken, Rohlingen, Werkbänken, Skizzen und Werkzeug steht mit dem 27-jährigen Künstler ein Mann, der ebenfalls Ecken und Kanten aufweist – aus Montafoner Holz geschnitzt eben. „Die Natur ist meine wichtigste Inspirationsquelle und gleichzeitig der Lieferant für meinen Werkstoff“, erzählt der kreative Schrunser, während er einer mannshohen Statue aus Lindenholz mit seinem Schnitzeisen Kontur verleiht. Nach seiner Lehre als Zimmermann erlernte er sein Handwerk in der Schnitz- und Bildhauerschule Elbigenalp im Tirol, seit 2014 ist er als selbstständiger Bildhauer tätig. Die Augen des Künstlers sind fokussiert auf sein Werk, gleichzeitig gewährt er in ruhiger und besonnerer Art Einblick in sein Schaffen: „Als Künstler beschäftige ich mich aktuell viel mit Oberflächenstrukturen. Als Bildhauer gebe ich einer Form mit einer strukturierten Fassade eine weitere Interpretationsebene. Während meine früheren Arbeiten oft steril und hochpoliert wirkten, lebt meine Kunst jetzt wieder mehr – raue, lebendige und wilde Oberflächen üben aktuell einen großen Reiz auf mich aus – so wie sie in der Natur vorkommen.“

Kunstszene im Land

„Ich befinde mich gerade in einer Phase, in der ich für mich persönlich den nächsten Schritt wagen möchte. Deshalb wird mich mein Weg in einen urbaneren Raum führen. Ohne allzu kritisch zu klingen: In Vorarl­berg wird man als ‚Künstler‘ erst wahrgenommen, wenn man eine fundierte Entwicklung oder eine akademische Ausbildung aufweist bzw. seine Sporen im Ausland verdient hat“, führt Victor fort. Umso wichtiger sei es, sich und seiner Kunst Gehör zu verschaffen: „Als selbstständiger Künstler sind Soziale Medien ein willkommenes Werkzeug, um sein Schaffen zu verbreiten – das habe ich die letzten Jahre auch intensiv genutzt. Momentan ziehe ich mich auf diesen Kanälen aber eher zurück, weil ich mich voll und ganz auf meine Arbeit konzentrieren möchte.“ Victors Kunstbegriff ist ein stetiger, so befinden sich seine Werke ebenfalls im Wandel der Zeit. „Ich werde oft gefragt, wie lange ich für eine Skulptur brauche. Darauf gibt es für mich keine passende Antwort. Oft wird mir während der Arbeit an Materialien wie Holz oder Stein erst bewusst, wie die Skulptur aussehen könnte. Es kann aber auch passieren, dass ich eine Plastik nach Jahren nochmals betrachte und sie dann neu gestalte“, schließt der Bildhauer – radikal, aber sympathisch.

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