„Du musst deine Stimme finden“

Philipp mit Tischa, die die Hauptrolle in seinem neuen Doku-Film „I am the Tigress“ spielt.

Philipp mit Tischa, die die Hauptrolle in seinem neuen Doku-Film „I am the Tigress“ spielt.

Filmemacher Philipp Fussenegger (30) sorgt mit seinen Filmproduktionen für Aufsehen. Mit W&W spricht der Wahlberliner über Corona, jüngste Filmprojekte sowie seine Heimat Dornbirn.


Was bedeutet Vorarlberg und speziell Dornbirn für dich? Vorarlberg ist meine Heimat, ich bin hier aufgewachsen. Ich komme gerne hier her. Ich habe schon viele Orte auf dieser Erde gesehen und empfinde Vorarlberg als einer der schönsten Fleckchen Erde, die ich kenne – ich bin stolz und dankbar dafür, dass hier meine Wurzeln sind. Vor allem im Winter genieße ich das Skifahren in den Bergen. Im Sommer verbringe ich viel Zeit in meiner Wahl-Stadt Berlin oder in anderen Orten der Welt.

Wie würdest du dich selbst beschreiben? Ich bin kreativ, ein guter Zuhörer und genauer Beobachter. Ich würde mich als exzentrisch bezeichnen mit einem leichten Hang zum Narzissmus. Manchmal introvertierter, als ich es mir wünschen würde. Ich arbeite zur Zeit viel an meiner Kommunikation, ein Thema das mich schon mein Leben lang beschäftigt und ein wichtiger Antrieb meines Schaffens ist. Ich hatte und habe häufiger das Gefühl, nicht richtig verstanden zu werden und versuche mit meiner Arbeit meine Gedanken nach außen zu kommunizieren.

Nach der Ausbildung für Klassisches Klavier am Musikkonservatorium in Feldkirch fandest du dich als Texter und Fotograf wieder. Ich habe die Fotografie gelernt und es dann mit meiner Leidenschaft dem Schreiben kombiniert. „Visual Storytelling“ war immer schon meine Stärke.

Mittlerweile bist du Geschäftsführer der Firma Funfairfilms. Wie kam es zur Gründung? Ich möchte als Regisseur unabhängig sein und die kreative und künstlerische Kontrolle haben. Meine Erfahrung, die ich in der Branche gemacht habe ist, dass die Produzenten und Produktionsfirmen Regisseuren oft sagen, wo es lang geht und wie er am Ende auszuschauen hat. So möchte ich nicht arbeiten und habe versucht, mir eine Umgebung zu schaffen, in der ich die kreative Führung behalte. Deshalb habe ich meine eigene Produktionsfirma gegründet, die meine Interessen vertritt. Aber nicht nur meine, wir arbeiten auch mit anderen Regisseuren*innen und Autoren*innen zusammen und versuchen deren Visionen und Kreativität umzusetzen.

Wie erlebst du die Corona-Pandemie als Privatperson, aber auch als Geschäftsführer? Privat hatte ich eine super Zeit. Für ein paar Wochen war mal alles so richtig entschleunigt. Ich hatte Zeit zum Nachdenken, Meditieren, um mir wieder mal bewusst zu werden, was ich wirklich brauche im Leben und was nur ein lästiges Anhängsel ist. Arbeitstechnisch waren wir mit der Drehbuchentwicklung und der Postproduktion meines neuen Films beschäftigt. Somit war es für uns kein Problem, wir hatten sogar noch mehr Ruhe und Zeit zum Schreiben. Ich will jetzt aber die Corona-Pandemie nicht schön reden. Ich möchte damit sagen, dass wir in Österreich und Deutschland noch glimpflich davongekommen sind und ich immer versuche, einen positiven Blickwinkel zu behalten.

Auf welche Eigenproduktion bist du besonders stolz? Ich bin besonders stolz auf den neuen Dokumentarfilm, den ich gemacht habe: „I am the Tigress“ handelt über eine afroamerikanische Bodybuilderin, die unter Diskriminierung, rassistischen Anfeindungen und Sexualisierung leidet. Dass ich es geschafft habe, diesen Film aus dem Boden zu stampfen, und mit wenig Mitteln in Amerika gedreht habe, beweist mir wieder einmal mehr, dass alles möglich ist.

Eine Produktion erntete besonders in Vorarlberg viel Kritik: „Die Schilehrer“. Wie denkst du vier Jahre später über die Pilotfolge und über die Reaktionen? (lacht) Ich finde, „die Schilehrer“ ist mein meist unterschätzter sowie meist missverstandener Film, den ich bis jetzt gemacht habe. Ich liebe den Film. Er ist nicht perfekt, teilweise etwas holprig, aber im Kern trifft er ins Schwarze. In den bodenlosen Kapitalismus mit all seiner Völlerei, Habgier und Verschwendungssucht, wie man sie im Nobelskiort Lech findet. Das ist meine Abrechnung mit meiner Schilehrer Karriere in Lech am Arlberg.

Du bearbeitest gesellschaftskritische Themen. Stichwort „Bester Mann“ oder „zu schön um wahr zu sein.“ Welches Statement möchtest du setzen? Das sind Themen, die mich beschäftigen. Als Künstler kann ich dazu beitragen, einen Diskurs zu starten oder versuchen Aufklärungsarbeit zu machen. Bei „Bester Mann“ ist es das Thema des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen in der rechten Szene. In „zu so schön um wahr zu sein“ geht es um die Zukunft der Liebe – „The Future of sex“ auch ein Thema, welches mich
beschäftigt. Klar sind das Statements. Die Interpretation überlasse ich aber dem Zuschauer.

Was muss ein guter Director haben, um erfolgreich zu werden? Du musst deine eigene Stimme, deine persönliche Story und was dich interessiert finden. Du musst herausfinden, wie du die Welt siehst und dann weißt du, was du erzählen möchtest und was dich antreibt. Wenn du das gefunden hast, dann kannst du loslegen.

Was fasziniert dich an der Filmbranche? Ich bin ja eher ein Außenseiter in der Filmbranche. Ich halte mich jetzt nicht so auf Filmfestivals Empfängen und Premieren auf. Ich gehe eigentlich nur hin, wenn ich für einen Preis nominiert bin. Dann komme ich aber gerne. Ich bereite mich dann richtig vor, schminke mich und ziehe mir auch etwas Hübsches an. Ist ja schließlich das Showbusiness.

Mehr Infos über Philipp unter
www.fffyeah.com

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