„Wer zweifelt, verliert“

Julius in seinem Element: Seine Jumps präsentiert der 20-Jährige regelmäßig auf Instagram. Wer Julius folgen möchte, kommt mit dem QR-Code auf sein Profil. Fotos: handout/Julius Forer

Julius in seinem Element: Seine Jumps präsentiert der 20-Jährige regelmäßig auf Instagram.
Wer Julius folgen möchte, kommt mit dem QR-Code
auf sein Profil. Fotos: handout/Julius Forer

Julius Forer (20) aus Dornbirn ist ein wahres Multitalent. Seine größte Leidenschaft gilt dem Freeski-Sport.

Es gibt nicht viele Tage, an denen Julius Forer einmal nichts tut. „Fürs Nichtstun hab ich einfach viel zu viel Energie“, meint der Dornbirner. Und eigentlich hat Julius bei all seinen Hobbys auch gar keine Zeit, um faul auf der Couch zu liegen. Im Sommer ist er nach einem morgendlichen Workout meist am Skaterplatz anzutreffen, um sich danach in den Flüssen und Seen Vorarlbergs abzukühlen. Dabei darf ein Sprungbrett nicht weit weg sein, denn wo wäre der Spaß, wenn ein doppelter Salto mit anschließender Arschbombe beim Baden fehlen würde? Würde man in der Schule sitzen, wäre er der Klassenclown. So eine Art Kerl wäre Julius. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und einem flotten Spruch auf den Lippen bleibt in seiner Gegenwart wohl kaum ein Auge trocken. „‚Akle blödala‘ gehört eben auch zu meinen Hobbys“, erklärt Julius schmunzelnd. Doch die Liste geht weiter: „Ich spiele Gitarre und zeichne gerne. Außerdem war ich etwa sechs Jahre im Zirkusverein aktiv. Hier habe ich mein Interesse an Diabolo spielen und Jonglieren entdeckt“, erzählt Julius. „Doch zu meinen größten Hobbys zählt das Freeskiing.“

Einen Triple-Front-Flip? – kein Problem!

Schon im Alter von zweieinhalb Jahren stand der heute 20-Jährige auf Skiern. „Als Teenager hat mich das Freeskifahren gereizt. Meine ersten Tricks probierte ich damals mit meinen Rennski. Mit elf Jahren bekam ich dann zu Weihnachten mein erstes Paar Freeski“, erinnert er sich zurück. Ein Leben ohne das Trickskifahren ist für Julius nun unvorstellbar: „Dass ich diesen Sport einmal so intensiv ausübe, hätte ich damals nicht gedacht“, erzählt er. Durch Ehrgeiz und hartes Training gelang es Julius 2018 die Aufmerksamkeit des Österreichischen Skiverbandes auf sich zu ziehen. „Durch meinen ehemaligen Lehrer Johann Krojer am Sportgymnasium Dornbirn durfte ich bei einem Schnuppertraining teilnehmen. Ich trainierte ein Jahr mit, bis ich fix im Kader aufgenommen wurde“, erzählt der Sportler. Was mit einem Hobby begann, entwickelte sich durch die Aufnahme im Kader zum Beruf. Julius hat Talent. Besonders auf Social Media-Plattformen wie Instagram macht der Freeskier auf sich aufmerksam. So lässt sich der Sportler auch von einem „Triple-Front-Flip“, also einem dreifachen Vorwärtsalto nicht abschrecken, wie er eindrucksvoll in seinen Videos darstellt. „Das mit dem Triple-Front-Flip ist eine witzige Geschichte“, beginnt Julius und lacht. „Das war eigentlich eine reine Spaßaktion. Meine Freunde und ich forderten uns gegenseitig bei Tricks heraus. Ich machte gerade einen Double-Front-Flip, als mir auffiel, dass sich da noch ein dritter Salto ausgehen könnte. Und dann hab ich das einfach gemacht und – zur Überraschung aller – tatsächlich gestanden“, erzählt er. Angst vor solch waghalsigen Versuchen hat Julius nicht: „Bei uns im ÖSV gibt es einen Leitsatz: ‚Wer zweifelt, verliert.‘ Oder wie ich gerne sage: ‚Show respect but no fear‘ (Auf Deutsch: Hab Respekt, aber keine Angst). „Im Freeski ist es das Wichtigste, die Gedanken im Griff zu haben. Wenn man sich während eines Runs darüber verkopft, ob das nun gut oder böse ausgeht, hat man eigentlich schon verloren. Und auf Tricks wie diesen bereitet man dich systematisch vor“, beschwichtigt Julius. Denn ein wichtiger Teil des Vorbereitungstrainings ist neben Kraft- und Ausdauer- auch das Mentaltraining. „Beim Mentaltraining lernen wir, ruhig zu bleiben und uns in jeder Situation zu konzentrieren“, erklärt er. Besonders an Wettkampftagen gilt es, die Fassung zu bewahren und nicht übermütig zu werden.

Skifahren auch im Sommer?

Wer glaubt, Skifahrer können nur im Winter üben, der irrt. Die Sommermonate verbringt Julius trotzdem auf zwei Brettern – eben nur anders und ohne Schnee. „Im Sommer trainieren wir unter anderem im Banger Park in Scharnitz im Tirol. Der Kicker im Park ist mit Matten und einem riesigen Airbag für die Landung ausgelegt. So bekommen wir ein Gefühl für die Jumps und wir können sie auf der Piste sicherer ausführen“, meint Julius. Für den Start der Saison heißt es nun, die geübten Jumps bei Turnieren sauber auszuführen und bestenfalls ein gutes Ergebnis einzufahren. Auf einen Erfolg hofft Julius beim FIS-Weltcup im Stubaital. Hier wird er sich kommende Woche mit Startern aus über 20 Nationen messen. Erstmals qualifiziert, ist bei Julius von Aufregung keine Spur: „Klar, es ist der erste Weltcup, aber ich mache mir da noch keinen Kopf. Bis zum nächsten Wochenende kann noch viel passieren. Die Corona-
zahlen steigen und können die Veranstaltung gefährden und auch das Wetter muss halten. Vergangenes Jahr wurde die Veranstaltung aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse abgesagt“, sorgt sich Julius.

Wo steht Julius Forer
in fünf Jahren?

„Hoffentlich kurz vor der Qualifikation für die Olympia 2026“, meint der Sportler. Auch ein Studium kann sich Julius gut vorstellen: „Mich würde Physiotherapeut oder das Lehramtstudium Sport interessieren, weil ich gut mit Kindern kann.“ Auf die Frage nach seinen größten Erfolgen antwortet er: „Definitiv die Matura! Das war eine langwierige Geschichte und nicht unbedingt der schönste Sommer“, erinnert er sich und lacht.

<p class="caption">Der Dornbirner und Freeskier Julius Forer.</p>

Der Dornbirner und Freeskier Julius Forer.